Drei Monate Ruhe

Ja, manchmal kann es sehr ruhig werden. Mein letzter Beitrag liegt bereits drei Monate zurück. Ich war tatsächlich mal weniger aktiv. Nicht gewollt, sondern angeordnet von Menschen, auf die ich sogar höre. Einem Arzt. Mein Fuß, der mir seit über einem Jahr Probleme bereitet hat, wird nun operiert. Was ist da also los, in diese 26 cm Fuß? Bei der Vergabe von Knochen, habe ich wohl wieder am lautesten gepöbelt und zum normalen Kahnbein ein anderes Knöchelchen nebenan bekommen. Soweit hatte das bisher auch keine Probleme bereitet. Beide Füße betroffen, macht nur einer Faxen. Der Plusknochen hatte sich im Köln Triathlon 2016 beim Laufen gelöst und reibt seitdem am Kahnbein sowie an der Sehne. Beides schmerzt vor allem beim Laufen. Da ich mich aus der ewigen Liebe zum Triathlon nicht gegen das Laufen entschieden habe, musste der Knochen nun raus, die Sehne am Kahnbein fixiert und der Plattfuß angehoben werden. Das alles geschieht bei einem Spezi in Düren im Krankenhaus. Meine erste OP, alle fragen ob ich nervös bin, als würde ich mich selbst operieren wollen. Ich habe keine Ahnung. Nervös bin ich wie immer, 10 Minuten vor dem Startschuss :-D Also, als die Vollnarkose langsam Wirkung zeigt und ich weiß, dass ich hier nichts mehr zu melden habe. Ich wache wieder auf, schaue auf mein Bein, sehe ab dem Knie abwärts alles verpackt und realisiere, dass die längsten 6 Wochen in meinem Leben beginnen. Und da ist er auch schon, der unvergessliche, zermürbende Schmerz im Fuß, der mich Kind werden lässt und mich zum weinen bringt. Ich bekomme eine Dröhnung Morphin. Tolles Zeug. Weihnachten  im Krankenhaus. Klingt spannender als es ist. Ich liege zum Glück allein im Zimmer und bekomme jede Menge Besuch. In den Nächten von der Nachtschwester mit  Morphintabletten, Tagsüber von meinen Liebsten. 

 

Uiuiui, das tut schon weh!

 

Am 25.12. werde ich vor die Tür gesetzt. Jetzt heißt es, wie ein Flamingo durch die Geschichte hüpfen und immer hübsch einen Rucksack zum Tragen von Kleinkram dabei haben.  Die schmerzen sind schon ordentlich. Wobei ich definitiv nicht zu den Schmerzempfindlichen gehöre. Beim Fäden ziehen, schneidet der Doc in den Fuß, danach geht es zur Blutabnahme und nach drei mal stechen und in der Vene bohren, hat die Schwester sogar Erfolg. Daniel wäre schon längst abgehauen und hätte den Arzt gewechselt. Ich sitze da und verziehe keine Miene.  Ok, ich habe der Schwester mal gesagt "ähm, oh das tut jetzt doch sehr weh, was sie da machen". Aber nach 2 Wochen habe ich alle Schmerztabletten abgesetzt und komme damit ganz gut zurecht. Meine Angst, ich werde vor Langeweile sterben über diese unfreiwillige "Off-Season"  bestätigt sich bisher nicht. Die ersten drei Wochen vergehen wie im Flug.  Dank Daniel habe ich noch Schonzeit mit dem Selbstständig werden und er wird von mir durch zusätzliche Kilometer fit gehalten. Hab ich gern gemacht ;-) Es vergeht Woche um Woche und ab der vierten Woche bestätigt sich, was Steffi mir Prophezeit hat: Ich will Sport machen. Tatsächlich habe ich nach nur 6 Tagen, nach der OP, mit dem Krafttraining wieder begonnen. Wenn ich meine Waden sehe ist es ein vorher/nachher Bild. Die eine in vollem Glanz mit Muskel gefüllte Haut, die andere hängt wie ein Hautlappen am Knochen runter. Nach 4 Wochen kann ich das Schienbein fast komplett umgreifen. Ich habe nicht mehr Angst, dass mein Fuß zusammen knickt, nach 6 Wochen, sondern mir eine Walnuss auf mein Schienbein fällt und es zertrümmert. Da ist ja nichts mehr. Schnell diesen Schonstiefel drum, damit ich das nicht sehen muss.

 

Für die Genesung braucht man Ziele!

 

Der behandelnde Arzt in Bonn hatte mir Hoffnung gemacht, dass ich nach 14 Tagen, wenn die Fäden gezogen sind, mit dem Schwimmtraining beginnen kann. Das schien sogar mir zu früh. Nach 3 Wochen kribbelt es mir schon in den Fingern, ins kühle Nass zu springen, aber Steffi und Daniel halten es für keine gute Idee, da noch zu viel Kruste auf meiner Narbe ist. Da ich ja lernwillig bin, habe ich also noch eine Woche ins Land ziehen lassen und in der Zeit natürlich ordentlich gequengelt, gejammert und gezickt. Dann kam der große Tag, an dem ich Daniel dazu überredet bekommen habe, mich ins Schwimmbad zu begleiten. Ich bin am 21.12. unmittelbar vor dem Krankenhaus das letzte Mal geschwommen und jetzt ist es das erste womit ich wieder anfange. Kommt schließlich auch beim Triathlon zuerst :-D Da ich beim SSF angst vor zu vielen Mitstreitern im Wasser habe, fahren wir dahin, wo alles Begann: ins Hardtbergbad. Angekommen, bin ich erschüttert, wie kurz 25 Meter sind. Ich schaffe es ohne Sturz mit der Krücke ins Wasser. An richtiges Training ist gar nicht zu denken. Ich fühle mich nach 4 Wochen Pause wie ein blutiger Anfänger. Allerdings scheine ich hier in guter Gesellschaft zu sein. Ich schwimme ohne Ziel und einfach nur ein paar Bahnen. Meine Uhr verrät mir, dass es mir an allem fehlt. An Kraft, an Kondition und Ausdauer. Aber Ich habe ein Ziel vor Augen. Ich möchte beim Bonn Triathlon starten. In 1 1/2 Wochen kommt der Stiefel ab und dann wird das Laufen gelernt. Und dann habe ich noch 4 Monate um für Bonn fit zu werden. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Georg Leben (Mittwoch, 24 Januar 2018 13:27)

    Liebe Dani,

    ein Ziel bedeutet auch das es Wege gibt; den holprigen hast Du nun (fast) hinter Dir nun drücke ich die Daumen dafür dass es „bergauf“ geht und wir im Ziel mit einem Erdinger anstoßen! #alleswirdnichtsmuss

  • #2

    Andi (Mittwoch, 24 Januar 2018 21:45)

    Schön geschrieben! Korrekte Einstellung! Hut ab...