Rad am Ring 24h Rennen 2017

Ein Jahr lang habe ich warten müssen. Warten auf ein grandioses Team vom Rad am Ring. Aus 10 Fremden, die verteilt durch die Republik leben, wurden Freunde, die sich gegenseitig ein Jahr lang per WhatsApp bei Trainigslaune gehalten haben. Das Team wurde im Laufe der Zeit etwas dezimiert, allerdings nur Temporär. Alex war im letzten Jahr eine Aushilfe und startet dieses Jahr in einem anderen Team. Markus ist nächstes Jahr wieder voll dabei und Ingo ist auf den Spuren von Wallander in Schweden unterwegs. Aber Micha, der letztes Jahr zum Supporten dabei war, muss dieses Jahr mit an den Start. Ein Jahr lang hat er sein bestes im Training gegeben und wurde von Ingo durch die Gegend gejagt. Die zwei weiteren freien Plätze belegen meine Freundin Kathi, mit der ich gerne auch mal eine Woche jeden Tag 100 km im letzten Jahr gefahren bin und meine Freundin Heike, die Wade. Die gute Seele des Teams ist auch in diesem Jahr Heike, die Frau vom Teamopi und Mechaniker Dietmar. Wieder am Start sind Kiki und Pferde-Philipp. Die Vorbereitungen liefen über das ganze Jahr.  In den vergangene Wochen war ich sogar zwei mal am Ring mit der Wade, um hier zu testen, wie fit ich bin. Jedes mal hatte ich mir 2 Runden vorgenommen. Das erste mal waren wir so spät, dass wir keine 2. Runde zeitlich geschafft hätten. Als ich Heike am Auto treffe, muss ich ihr auch gestehen, dass ich körperlich gar nicht in der Lage gewesen wäre noch eine  Runde zu fahren. Wir lachen, steigen ins Auto und fallen tot ins Bett. Beim nächsten mal waren wir früher da. Ziel: zwei Runden entspannt. Allerdings mussten wir die 2. Runde innerhalb von einer Stunde begonnen haben. Also fiel das auch flach. Gemütlich bin ich die Runde trotzdem gefahren. Nachdem Auswerten der Daten im Vergleich zum letzten Jahr wird schnell klar: schnell bin ich nicht. Wenn ich keine guten Zeiten bringe, dann eben gute Laune. Davon dann auch jede Menge!

 

Das große Wiedersehen

 

Der Tag ist da. Nach der Arbeit geht es zum Ring. Vorsichtshalber habe ich noch ein Mittagsschläfchen eingelegt. Der Spaß-Bus mit Familie Clotten und Kiki sammelt mich ein. Die Unterhaltungen sind gefüllt mit jeder Menge Schwachsinn und Faxen. Wie habe ich das vermisst. Am Ring angekommen, bauen wir gleich das Basislager auf und feiern unser wiedersehen mit einem uppigen Grillbuffet, bevor es auf die Feldbetten zum Nächtigen geht. Ich selbst fahre für die Nacht in ein kuscheliges Bettchen. Da ich mich in dieser Woche mit Halsschmerzen rumgeplagt habe, will ich mein gesundheitliches Glück nicht herausfordern, zumal mein Fuß sich in dieser Woche ebenfalls verabschiedet hat und man mir im Krankenhaus, sportlich gesehen, wenig Hoffnung gemacht hat auf eine Wunderheilung. Ein wenig Wehmut kommt schon auf, den illustren Haufen alleine zu lassen. Aber ich darf am Tag drauf unser Team und das Team vom Mini-Clotten mit Brötchen beliefern. Wenigstens eine wichtige Aufgabe für den Renntag erhalten :-D Der Teamopi hat derweil alle Räder der Damen in Schuss gebracht. Isaac war wieder in guten Händen und hat neue Schaltzüge bekommen.

 

Brötchenservice

 

Seit Freitag Abend bin ich heiß aufs Rennen. Ich will die Berge runterbrettern und hochhecheln. Mit 70 Brötchen bepackt geht es wieder zum Ring. Der Haufen ist bereits wach und hungrig. Nach dem Frühstück putzen Heike und ich unsere Männer, Isaac und Black Hole.  Pferde Philipp macht sich bereit für den Start, das Küken kann mal zeigen, was er auf seiner Susi so drauf hat. Ich schaue auf die Uhr und muss zur Cafeteria. Ich bin mit Martin, mit dem ich in Hamburg die letzten 10 km gelaufen bin, verabredet. Es hat geklappt. Wir tauschen uns noch über allen möglichen Schnick Schnack aus, trinken unsere Coffeinbrühe und scherzen. Auch Martin muss langsam zum Start, verspricht aber während dem Rennen noch mal in unserem Basislager vorbeizuschauen. Sein Versprechen hat er gehalten :-) Zurück im Lager beschließen die Mädels erst mal shoppen zu gehen. Ein paar hundert Euro leichter aber mit tollen bunten Radklamotten reicher, kommen wir zurück. Es wird langsam Zeit für mich. Ich muss essen, mich umziehen, warm fahren und los legen. Ein wenig Ingo hat es aber ins Team geschafft. Ich habe sein Trikot und stelle beim anziehen fest, dass Ingo sehr viel schmaler und daher auch schneller am Berg ist.. ich bin ja mehr so die Sprinterin... in der Massephase.

 

1. Runde

 

Nachdem Pferde-Philipp und Opi Wahnsinnszeiten vorgelegt haben und auch Micha sein können und Training des letzten Jahres mit guten Zeiten präsentiert hat, darf ich jetzt zeigen, was ich kann. Opi ist sogar mit Reifenpanne schneller als ich es vermutlich sein werde. Aber das wird sich erst noch zeigen. Mein Plan für das Rennen auf der ersten Runde: AUSRASTEN! Ich habe noch eine Schmerztablette für meinen lädierten Fuß eingeworfen. Ich weiß nicht das Beste, aber soll ja entzündungshemmend sein. Abgesehen davon habe ich die Hoffnung bei der Hohen Acht mal aus dem Sattel in den Wiegetritt gehen zu können. Es geht los. Vom ersten km an trample ich auf Isaac ein als ginge es um mein Leben. Zunächst Bergab. Schnell, sehr schnell, dann kommt das Bergwerk, die ersten schieben. Meine Muskeln sagen mir jetzt schon, das geht nicht lange so aber sofern es kein richtiger Krampf ist, der mich zum Absteigen zwingt, trample ich weiter. An der Hohen Acht steht mir das Essen bis zum Hals, mein Herz fühlt sich an als wolle es explodieren. Also die nächsten Runden lasse ich diese Schmerztabletten weg, das kann nicht gesund sein! Wieder schieben welche am Rand. Die Verlockung ist groß aber mein Gehirn schreit mich an "Das ist bestimmt schon die 3. Runde, die die in Folge fahren!!" und "du steigst nicht in der 1. Runde ab, Fräulein!" Ich brülle wütend in mich rein "Fick dich, platzt mir halt die Pumpe oder ich göbel die Strecke voll!" Letzter Ausweg wäre umfallen und liegen bleiben. Oben angekommen bin ich froh, dass sich nichts in die Realität umgesetzt hat. Ich höre mich an wie eine Asthmapatientin und freue mich auf ein wenig Bergab. Jetzt wird es wellig bis zur Döttinger Höhe. Ich suche vergebens nach Windschatten und schleppe mich den letzten Anstieg vor der Grand Prix Strecke hoch. Geschafft. Ich schaue auf meine Uhr und habe den Gedanken, es unter einer stunde zu schaffen. Das beflügelt und ich trete erneut voller Inbrunst in die Pedale. Allerdings habe ich vergessen, dass es die komplette Grand Prix Strecke ist und komme über einer Stunde im Lager an. Vollkommen fertig falle ich halb vom Rad und muss mich erst mal sammeln und meine Organe richten. Heike die Wade geht aus Rad. Jetzt habe ich 6 Stunden Ruhe und hoffe einfach nur, dass ich bis dahin wieder in der Lage bin den Berg erneut zu bezwingen.

 

Die Wartezeit

 

Was macht man dazwischen? Jede Menge Schwachsinn, Unfug und Faxen. Aber ganz wichtig: essen!!! Wir haben wieder Unmengen an Futtermittel dabei. Von Riegeln bis Kuchen, Bananen und Nudeln mit Pesto. Im Prinzip sieht es überall gleich aus. Entweder sind die Leute hier am Essen, am Fahren oder am Schlafen. So auch bei uns. Es wird langsam dunkel und die ersten Nachtfahrten beginnen. Dank Kiki kann ich meine Nachtfahrt dieses mal auch beleuchtet bewältigen. Letztes Jahr wusste ich in der Kurve nicht in welche Richtung ich in den Lenker drehen soll, weil ich nicht wusste in welche Richtung die Kurve überhaupt geht. Falsche Richtung hieß somit Abflug ins Gebüsch. Mit Kikis Flutlicht geht es jetzt die Berge rauf und runter. Meine Beine locker, mein Atem auch. Ich merke, dass es mir diese Runde nicht an Luft sondern nur an Kraft fehlen wird. Auf der hohen Acht der Red Bull Wagen mit DJ. Der DJ ist gut und ich überlege, ob ich kurzerhand absteige, an der Verpflegung ein Bier nehme und einfach dort abfeier. Heike könnte länger schlafen und Pferde-Phillip müsste nicht mal eine 4. Runde fahren. Im Prinzip könne man mir dankbar sein. Aber ich will Pferde-Phillip zerstört sehen, sorry Heike, für dich doch weniger schlaf. Ich bin dieses Jahr das erste mal in irgendetwas schneller als letztes Jahr. Meine Nachtfahrt für mich ein Erfolg. Nach der Dusche, einem Mitternachtssnack und dem Dehnen lege ich mich in mein Feldbett und versuche zu schlafen.

 

Bitte nicht schon wieder!

 

Als ich wach werde sehe ich Pferde-Philipp und frage ob er jetzt wieder ran muss. Seine Antwort :"Ne ich bin gerade zurück" meine Antwort "hau ab, geh wieder aufs Rad! Ich will nicht! Nicht aufstehen, nicht essen müssen nicht wieder fahren!" Heike wird wach: "was ist los?" Ich versuche mein Luxusproblem zu erläutern. Heike grinst und sagt "ich schlafe noch etwas" und legt sich wieder hin. Die gute Seele wird wach, Kathi flüstert ihr zu "alles gut, es ist erst 3:54 Uhr du kannst weiter schlafen." Alles ist ruhig. Pferde-Philipp noch hellwach vom Coffeingel und ich, weil ich muss. Der Opi kommt von seiner 3. Runde zurück. Der Mann ist in seinem Alter so unglaublich fit. Meine Hochachtung. Wir sind nur noch zu zweit. Der Opi futtert noch etwas und hält mich bei Laune, während ich mich warm fahre. Micha kommt zurück und ich bin wieder an der Reihe. Es wird langsam hell und ich bin mir sicher auf der 3. Runde werde ich noch mal alles geben. Ich trete ordentlich rein. Meine Beine sind leer aber die Abfahrten sind jetzt noch schneller. Das Bergwerk hoch, die Hohe Acht und wieder Bergab. Ich traue mich gar nicht auf die Uhr zu schauen. Die Döttinger Höhe ein letztes Mal und es tut weh. Am Lager angekommen, schaue ich auf meine Zeit... Ok das war richtig LANGSAM. Aber hier geht es ja um Spaß. Im Prinzip bin ich die Schnecke. Die Partyschnecke wenigstens. Immer laut aber nie schnell :-D Das holen dann die anderen raus. Heike und Kathi sind ebenfalls ein Zugewinn für das Team. Beide treten kräftig in die Pedale. Micha hat sich in dem Jahr ordentlich gemacht und Opi ist eh der Wahnsinn. Kiki tritt mich mit nur 1000 Trainingskilometer in weite Ferne. Aber Pferde-Philipp hätte ruhig mal eine Runde mit 39 Minuten beenden können. Aber wir brauchen ja alle ein Ziel für 2018 :-P

Die Ehrenrunde drehen Opi und Pferde-Philipp. Der Rest wartet vor dem Ziel, damit wir gemeinsam über die Ziellinie radeln und unsere Medaillen in Empfang nehmen können. Zu guter Letzt wird alles wieder abgebaut. So schnell ist es vorbei. Ich freue mich auf 2018. Es war wieder unglaublich mit euch allen. Wieder ein Highlight in diesem Jahr! Danke euch allen, ihr seid Großartig :-*

 

 

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