ITU World Triathlon Hamburg 2017

Eigentlich wollte ich meinen ersten Triathlon in Hamburg machen. Der größte Triathlon in der Kurzdistanz erschien mir damals als ein perfektes Debüt. Mein Debüt gab es dann woanders aber einmal nach Hamburg, war immer noch ein Traum. Zwei Jahre später sitze ich im Zug auf dem Weg dorthin. Dieses mal habe ich es besser gewusst und Miss Perfekt in ein Spannbettlaken gehüllt, damit mein Rad später nicht wieder wie nach einem Unfall aussieht. Trotzdem sitze ich ziemlich unentspannt im Abteil hinter meinem Renner und schaue alle paar Minuten panisch, wie nach meinem Kind, ob alles in Ordnung ist. Angekommen starte ich so, wie ich Hamburg vor einem Monat verlassen hatte, mit einem Besuch in der Alsterschwimmhalle. Criss Cross und ich sind sogar das ganze Wochenende angereist um noch die Elite Rennen komplett verfolgen zu können. Allerdings habe ich Ruhetag und werde mich eher wenig bewegen und wenig spazieren, mir wurde zugetragen, davon bekommt man schwere Beine. Dann teste ich das doch mal. Mit bei uns im Hotel ist die Französische Elite Mannschaft, wenn das kein Zeichen ist ;-)

 

Stress, Stress, Stress

 

Die Nacht war kurz, aber den letzten Traum habe ich noch im Kopf. Ich habe bei einem Wald- und Wiesenlauf den 1. Platz gemacht und dafür einen Audi gewonnen. Nach meinem Frühstück mit Haferflocken und Sojajoghurt (was meinem Frühstück zu Hause noch am nächsten ist) teste ich heute ein Gel in der Trinkflasche und einen Riegel vor dem Start. Mit ausgeruhten Beinen und einer so guten Vorbereitung, gepaart mit der Wettkampfernährung, war das sicher kein Traum sondern eine Vorahnung. Wir gehen zur Wechselzone, wo ich Michael aus meinem Verein treffe. Michael war am  Vortag auf dem Abiball seiner Tochter, ist anschließend in den Zug nach Hamburg gestiegen, hat dort versucht zu schlafen, startet jetzt und fährt danach wieder Heim. Wenn der Triathlon alleine nicht schon sportlich wäre, dann aber ganz sicher so ein Tag. Ich überreiche ihm seine Startunterlagen, gehe weiter in die Wechselzone und richte mir diese ein. Ich habe noch genug Zeit und freue mich auf einen Kaffee mit Koffein in der Erdinger Lounge. Ich habe fast alles ausgepackt, als mir auffällt, dass meine Schwimmbrille noch im Hotel liegt. Mein Puls geht hoch, ein lautes "ahhh FUCK" und die Aufmerksamkeit meiner Nachbarn gehört mir. Ich überlege kurz ob ich eine neue kaufe, entscheide mich dann aber, das Experimente am Wettkampftag nur für Idioten sind und renne wieder zum Hotel. Dort greife ich meine Schwimmbrille und renne wieder zur Wechselzone. Einlaufen habe ich damit dann auch erledigt. Schweißgebadet greife ich meinen Neo und überlege noch, ob ich den bei 19 Grad Wassertemperatur überhaupt brauche. So nass wie ich jetzt schon bin, komme ich da sicherlich kaum rein bzw. wäre es auch eine zeitliche Frage, ob ich das noch schaffe. Ich renne zur Erdinger Lounge, schütte mir einen Kaffee in den Becher, pimpe diesen mit kaltem Wasser um ihn überhaupt trinken zu können und quäle mich in die Gummipelle. Michael grinst sich müde einen ab und frühstückt in Ruhe sein Brötchen.

 

Obstsalat in der Alster

 

Ich gehe zum Schwimmstart, damit ich nicht wie in Düsseldorf zu spät zum Ponton komme. Ich frage dort eine Frau neben mir, wo ich lang müsse. Sie entpuppte sich als Freundin vom Portugiesischen Profi und wir unterhalten uns eine Weile während ich meinen Kaffee schlürfe. Sie erzählt mir, dass die Brownlee Brüder nicht in Hamburg seien, weil sie bei einem Ironman 70.3 mehr Prämie bekommen und sich Hamburg nicht lohne. Wahnsinn, da muss man sich aber mal etwas einfallen lassen. Es ging zum warmup und während ich im Hüpfen versuchte den Neo zu schließen überlege ich noch ob der Riegel mit dem Kaffee so gut war. Die warme brühe hüpft in meinem Magen fröhlich mit. Nach dem warmup bekommen wir Isodrinks und Obst angeboten. Ich lehne vorsichtshalber ab, Obstsalat in der Alster brauch auch niemand. Criss Cross ist bereits eine halbe Stunde vor mir gestartet. Michael und Christin starten nach mir. Die SSFler kann ich also von der Strecke aus noch anfeuern. Es geht ins Wasser. Jetzt bin ich froh, den Neo doch anzuhaben, meine Füße sind eisig. Es geht los. Relativ schnell habe ich meinen Rhythmus gefunden und schwimme und schwimme...durch die erste Brücke, an den Bojen vorbei und zurück durch die letzte Brücke am Jungerfernstieg. Nach der Brücke ein Bild für die Götter. Man schaut wie aus einem Stadion auf die Menschenmassen, die einen anfeuern. Ich bekomme Gänsehaut. 29 Minuten habe ich gebraucht und bin total zufrieden. Es geht in die unendlich lange Wechselzone und rauf aufs Rad. Der Wechsel verläuft problemlos. Rad sofort gefunden, Ausgang auch. Mit den 90% Regenwahrscheinlichkeit und der 6,4l Regen auf den qm hat sich meine Wetterapp bisher geirrt. Es ist bewölkt und ich hoffe der Regen (ich wünsche mir niesel) setzt erst ein, wenn ich laufe. Jetzt geht es erst mal drei Runden durch Hamburg. Drei mal an der Elbphilharmonie vorbei. Ich bin mit meinem 30er Schnitt vollkommen zufrieden und mache mich wieder auf in die Wechselzone.

 

Der Endgegner

 

Der Lauf, ich wäre lieber noch 40 km mehr gefahren. Wo ist Speedy wenn man sie braucht? Hilft alles nichts, ich muss selbst ran. 10 laaange km. Einer nach dem anderen. Ich würde gerne eine 6er pace laufen und versuche die Zeit zu halten. Schon recht früh gesellt sich ein weiterer Läufer zu mir und begrüßt  mich mit den Worten "ich hänge mich hier mal ran, wenn das ok ist?" Ich bin begeistert, ich muss nicht alleine Laufen. Martin kommt aus dem Schwabenländle und ist zum Triathlon nach Hamburg gekommen, weil seine Tochter hier lebt und man schließlich einmal in Hamburg gestartet sein muss. An den Verpflegungsstellen trinken wir im gehen und sonst laufen wir in der angepeilten Zeit. Ich bin froh über Martins Gesellschaft. Das reden lenkt vom denken ab. Mein Gehirn möchte ja gerne mal aufgeben. Der gewünschte Nieselregen setzt auch ein. Ich sehe Christin an einer Wende und sie hat mega gute Laune. Ihr erster Triathlon und sie hat die pure Freude im Gesicht stehen. Bei km 8 muss ich dann Martin ziehen lassen, er noch frisch, ich langsam am schwächeln. Wir verabschieden uns und wollen uns im Ziel treffen. Noch 2 km allein. Am Rand immer wieder Motivationssprüche von Hamburg Wasser. "Distanz ist nur in deinem Kopf" oder "wir machen Hamburg nass" ahhhh.. die meinen mich ;-) Bei km 9 beginnt der Zielkanal. Wieder eine wahnsinns Kulisse. Menschen überall, die einen anfeuern. Ein Moderator brüllt laut ins Mikro "und wir begrüßen unsere Freunde vom SSF Bonn: Daniela NAAAAASSSSSS" und die Menschen schreien meinen Namen. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Vor Begeisterung schießen mir Tränen in die Augen. Der letzte KM läuft sich von ganz allein. Im Ziel wieder ein Mann am Mikro "Wir beglückwünschen Daniela Nass zu Ihrer Zielzeit von unter 3 Stunden!", wieder Jubel. Ich bekomme mein Lachen nicht aus dem Gesicht. Im Ziel sehe ich Martin wieder, wir klatschen uns ab, ich sehe seine Frau und Tochter, die ihn umjubeln und sage kurz Hallo. Ohne Martin wäre die Laufstrecke ein echter Kampf gewesen. Vielleicht sieht man sich ja bei Rad am Ring ;-) Criss Cross ist bereits in der Erdinger Lounge und auch Michael lässt nicht lange auf sich warten. Nach einer Beinmassage geht es langsam Richtung Hotel. Das Elite rennen und die Tour de France schauen. Ich bin total erschossen vom Tag aber es war einfach Traumhaft. Also wenn jemand mal vor hat einen Triathlon zum ersten Mal zu machen: nehmt Hamburg!

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Kommentare: 4
  • #1

    Georg Leben (Donnerstag, 20 Juli 2017 18:32)

    aich beim lesen bekommt man "Deine" Gänsehaut ���

  • #2

    Christin (Donnerstag, 20 Juli 2017 20:03)

    Super Bericht, Dani!
    Und du hast Recht: Hamburg ist die perfekte Premierenstadt... Es war einfach nur toll!

  • #3

    Martin Rahm (Mittwoch, 26 Juli 2017 17:13)

    Hallo Daniela, mit dir laufen war echt super!
    Und: wir müssen uns unbedingt bei Rad am Ring sehen!

  • #4

    die Dani (Montag, 31 Juli 2017 07:51)

    Danke Georg und Christin :-)

    Martin: das machen wir!