Velothon Berlin; 3 von 4 in 15

Letztes Jahr war Berlin eines meiner Highlights, dieses Jahr soll es auch so werden. Criss Cross ist wieder mit am Start. Heute geht es sogar mit dem Zug nach Berlin und nicht mit dem Postbus. Wobei ich bedenken habe, ob mein Rad das so übersteht und ob ich nicht so verspätet in Berlin sein werde, dass ich selbst mit einem Fernbus schneller wäre. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen. Criss Cross reist mit seinem Klumpfuß an. Er hatte sich beim Wings for Life einen Ermüdungsbruch zugezogen und humpelt seitdem durch die Weltgeschichte. Aber er will starten. Und ich dachte schon immer ich sei unvernünftig :-D Ich begebe mich zum Zug und die Fahrt nach Berlin ist tatsächlich entspannt. Jedenfalls für mich. Isaac steht eingeklemmt zwischen Omi Trekkingrädern, die dreckig von oben bis unten sind. Im Zug ist für Räder so wenig Platz, dass ständig Rentner mit Ihren Koffern an meinem Rad entlang rempeln. Haben die denn null Respekt vor anderer Leute Eigentum? Wenn ich an deren A Klasse so mit meinem Koffer vorbeidonnern würde und die Karre anrempeln, hätte ich sicher gleich die Polizei vor Ort wegen Vandalismus. Auch ein böser Blick verleiht hier keine Abhilfe. Mein Herzstück und ich haben es überlebt. Wir schlendern zu unserer Unterkunft, wo ich Klumpfuß treffe. 

 

 

Tag vor dem Rennen

 

Wir spazieren über die Messe. Hauptziel heute ist neben der Abholung der Startunterlagen auch, meine Bremsen bei einem Mechaniker überprüfen zu lassen. Donnerstag Abend kam mir die Idee, meine Aerolaufräder von meinem Triathlonrad auf das Rennrad zu basteln. Dafür musste ich allerdings die Bremsen etwas weiter einstellen und Bremsblöcke tauschen. Im Prinzip ging es ganz gut, nur als ich meine Bremse durchgezogen habe, ist der Draht aus der Bremse gerutscht. Ich habe sofort alles fester geschraubt aber so richtig verlassen will ich mich auf mein können nicht. Im Renne ist mir das zu riskant. Der Techniker schaut sich mein Rad an und stellt die Bremsen kurz nach, ist aber wohl alles in Ordnung. Dann schaut er sich die Schaltung an und verzweifelt, warum er nicht auf die letzten Gänge kommt. Nach 10 Minuten versuchen und schrauben drehen etc. fällt ihm auf, dass die Kassette eine 11er und keine 10er wie für das Rad vorgesehen ist. Criss lacht sich tot "dass dir das passiert!! also bei mir klar, aber DIR!" Ich habe in dem ganzen Stress von rumreisen, umpacken und basteln, ganz vergessen auf das wichtigste zu achten! :-D Der Techniker will mir auch gleich eine neue Kasette drauf bauen, aber ich fahre das Rennen jetzt so. Wird schon gehen... Irgendwie.

 

Raceday

 

Ich fühle mich gut, habe die Nacht allerdings wieder nur ein paar Stunden geschlafen. Egal, den Rest erledigt Adrenalin. Ich freue mich aufs Rennen. Im Letzten Jahr war ich auf Platz 44 in meiner Altersklasse und Gesamt 106. Mal sehen, was heute drin ist. Leider hat mich am Mittwoch beim Anfeuern eine Bremse gestochen und mein Fußgelenk ist auf das doppelte seiner Größe angeschwollen, aber normalerweise sollte das einen Runden Tritt nicht beeinflussen. Zur Sicherheit Creme ich seit zwei Tagen mit ordentlich Cortison. Jetzt gehen zwei Klumpfüße an den Start. Criss Cross witzelt wie immer rum als wir zum Start rollen. Meine Nervosität kommt genau 5 Minuten vor Start. Bei Rund um Köln muss es einige Stürze gegeben haben. Ich hoffe, ich bleibe von einer Massenkarambolage verschont. Es geht los mein Ziel: 34,5 km/h oder mehr. Das Wetter ist super, die Straße trocken, das muss gehen. Ich beginne von Anfang an, das Feld von hinten aufzuräumen. Ist ja auch leicht, wenn man in einer der hintersten Startblöcke startet. Mein Trikot der Rheinlandperlen sorgt öfter für ein schmunzeln, bis ich sie überholt habe :-D Ich finde mich in einer Gruppe wieder, die mein Tempo fährt. In etwa zumindest. Ich lasse mich von Gerald ziehen, wer auch immer es ist, steht jedenfalls auf seiner Startnummer. Irgendwann wird mir das zu langsam und ich versuche mich an die vordere Gruppe ranzutasten. Nicht, dass ich eine sehen würde, aber es muss noch  mehr geben und die fahren dann auch den 35er Schnitt. Leider schaffe ich es alleine nicht und die Herren um mich herum sind nicht schnell genug. Welch ein Dilemma. Im Ziel schaue ich auf meine Uhr und stelle fest, dass ich nur 33,4 km/h im Schnitt gefahren bin. MAN. Nächstes Jahr besorge ich mir Zugpferdchen :-D Letztendlich bin ich aber von der Platzierung gleich geblieben. Und: Ich bin wieder weit vor Criss Cross im Ziel! BÄM!

 

 

Heimfahrt

 

Es geht wieder Heim. Klumpfuß samt Drahtesel begleiten mich im Zug. Der Zug ist gerammelt voll. Drei Schulklassen vom Niveau Rütlischule, steigen ebenfalls mit uns ein. Klumpfuß Radplatz wurde kurzerhand von einem furchtbar zarten Rennradfahrer, der zerbrechlich wie ein Rehkitz aussah, blockiert. Die Klimaanlage funktionierte natürlich mal wieder im IC nicht. Eine Truppe Trekkingterroristen mit Schmutzrädern und besonders breiten Lenker gesellen sich ebenfalls in den Radwagon. Das wird ja kuschelig. Ich sitze auf einem Klappstuhl neben Rehkitz und Klumpfuß, der auf dem Boden noch eine Ecke gefunden hat. Wir drei schlafen ein. Irgendwann werde ich wach und merke, dass das Rehkitz das Fenster öffnen will. Ich bin etwas panisch, der Luftsog wird diesen Menschen einfach nach draußen saugen, wie ein Staubsauger, dann ist der weg. Dan reiße ich mir aber sein Rennrad unter den Nagel ;-) Nach endlosen Stunden mit Verspätung, drei Liter Wasserverlust über die Haut bei 1 Liter Wasseraufnahme, komme ich ausgetrocknet und noch fertiger in Bonn an. Eine dieser Trekkingbitches hat Isaac einen 4 cm großen Kratzer im Oberrohr verpasst. Ich bin müde, vertrocknet und wütend. Resümee der Fahrt: dauert so lange wie ein Fernbus ist aber vom Komfort eher wie ein Viehtransport. Kostet mehr, hat kein WLAN und keine Mediathek. Danke DB, aber wenn ich eine Wahl habe, nehme ich euren "Service" lieber nicht mehr in Anspruch. Ich habe Angst um mein Triathlonrad nächsten Monat bei euch im Zug.

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