SWB Bonn Triathlon; 1 von 4 in 15

Der Bonn Triathlon. der 1. Triathlon in Bonn für mich und damit meine erste Mitteldistanz sowie der Startschuss für den 1. Wettkampf von vieren in 15 Tagen. Meine Beine sind schwer und durch die Hitze sowie das den ganzen Tag auf hohen Schuhen stehen am Vortag auch randvoll mit Wasser. Aber auf einer Hochzeit muss man sich ja nicht wieder als Sportler outen indem man zum Kleid das neue Asics Triathlon Modell mit Schnellschnürsystem ausführt. Meine Laune am Morgen hält sich generell meist schwer in Grenzen, heute aber noch mehr als sonst. Nicht nur dezent grimmig, nein heute sogar grantig. Sport am morgen soll ja die Laune heben, wohl aber nur, wenn man damit um 8 Uhr wieder durch ist und zurück ins Bett kriechen kann. Ich bin müde, fühle mich unfit und mein Magen verweigert die Nahrungsaufnahme. Solche Momente gilt es bei mir festzuhalten, die kommen vielleicht drei mal im Jahr vor. Aber nur wenn ich etwas zum ersten mal vor habe. So wie heute. Toller Start, wo man doch seine Kohlehydratspeicher auffüllen sollte, vor allem, wenn man letztes Jahr knapp fünf Stunden gebraucht hat. Das auf nüchternen Magen ist utopisch. Ich beschließe mir eine gute Stulle mit an den Start zunehmen und die Nahrungsaufnahme zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu testen.

 

Unlauterer Wettbewerb

 

Alle Sachen sind in einem überdimensional großen Rucksack, ok Reisetasche, verstaut mit der ich die 6 km zum Start einrolle. Leider merke ich schon nach 2 km, dass das eine extrem dumme Idee war. Die Tasche ist viel zu schwer und schmerzt im Nacken. Aber da muss ich durch. Vor der Wechselzone überreicht mir Kirstin meine Startunterlagen, die sie am Vortag für mich mit abgeholt hat. Ich richte mich in der Wechselzone häuslich ein. Die Wege muss ich mir heute endlich mal nicht merken, weil ich sie kenne. Das nennt man dann wohl Heimvorteil. Ich gehe zum Shuttlebus. Das geschnatter der anderen im Bus und die Klugscheißersprüche machen mich nervös. Ich war zwar bereits 2 mal im Rhein die Strecke abplanschen aber da war ich nicht von einer Fähre aus mit einer ganzen Frauenstartgruppe im Nacken ins Nass gesprungen. Nach dem SSF Gruppenfoto quäle ich mich in meine Gummipelle. Die Sonne auf dem schwarzen Neo gibt ihr übriges. Ich fühle mich wie eine Brühwurst. Durch so einige Cuts am Neo, sehe ich auch aus, wie kurz vor dem aufplatzen. Steffi und ich wundern uns auf dem Weg von der Startbox auf die Fähre über zahllose Pfützen zu unseren Füßen. Es war doch noch niemand mit Wasser in Berührung gekommen und geregnet hatte es auch nicht. Das müssen wohl manche hier verloren haben. Ich beschließe drum herum zu hoppeln, ich möchte ja nicht ausrutschen und schon vor dem Start ein DNF da stehen haben. Viellicht versucht man hier auch so die Konkurrenz auszuschalten. Wobei ich da eine effektivere Methode wüsste. Beim schwimmen der Vorderfrau einfach mal das Klettband mit Zeitchip entfernen. Aber ich will einen ehrlichen Wettkampf :-D

 

Startschuss für einen langen Tag

 

Es geht ins Wasser. Erstes Ziel: in die Mitte aber niemals in die Fahrrinne, sonst droht wie bei fast allem die Disqualifikation. Vom Probeschwimmen weiß ich, wo es schnell ist: n der Mitte und dank der Strömung bleibt man da auch relativ gut in der Linie ohne dieses ewige zick zack wie im See. Ich blicke auf und merke, dass um mich herum immer weniger Frauen sind. Toll, jetzt schon letzt, trotz Strömung. Allerdings bin ich am Rand. Also nehme ich Kurs auf die Mitte. Irgendwann habe ich es geschafft und die DLRG ermahnt mich, mehr in Richtung Ufer zu bleiben. Das Ganze entwickelt sich also doch zum zick zack schwimmen. Plötzlich merke ich, dass ich mit meiner Gummipelle auf Grund laufe. Innerlich laut fluchend versuche ich mich wieder in die Mitte zu kämpfen. Wo ist die tolle Strömung, wenn man sie mal braucht. Gefühlt dauern diese 3,8 km ewig! Ich sehe das Ende und lasse mich aus dem Wasser zerren. Wenigstens muss man das nicht selbst machen. Ein Blick auf die Uhr: 33 Minuten bin ich also im Wasser vor mich hingedümpelt.

 

Wenn es einfach nicht läuft

 

Jetzt aufs Rad und schnell noch einen Riegel futtern. Der Rest an Energie liefert mir meine Trinkflasche, die ich mit ISO gefüllt habe. Ich habe sogar mit Little Fail trainiert, die Trinkflasche von der ungewohnten Stelle am Hintern zu entnehmen, trinken und wieder in die Halterung wieder zurück zu stecken, ohne die Flasche hinter mich zu werfen.Es geht den ersten Berg am Ennert hoch. Ich werde am laufenden Band überholt. Nur Männer. Klar, die Frauen sind ja auch schon vorher über alle Berge.Meine Laune wird proportional zum überholt werden schlechter. Ja, das geht zu dem Zeitpunkt noch. Dann kommt Bockerroth mit der schönsten Fanmeile. Die Stimmung ist super. Es geht durch das kleine Dorf und den Berg wieder mit Knallgas runter. Auf der Abfahrt macht meine Trinkflasche einen Abflug. Ich höre nur etwas fallen, will es nicht wahr haben, greife hinter mir und es wird Realität: DAS war meine! 32 Grad und nichts zu trinken. Das hebt die Laune nicht! Nein, nein!Kurz keimt die Überlegung auf, ob ich jetzt nicht besser langsamer mache, damit ich nicht dehydriere. Dann fällt mir auf: ich bin schon langsam und Dehydrierung ist bei weitem nicht so schlimm, wie zu viel Wasser. Außerdem haben meine Beine ja  mit ihrer liebevollen Einlagerung vorgesorgt. Litle Fail hat wohl möglich einfach Ballast loswerden wollen. Abgesehen davon gibt es ja in 40 km wieder Getränke. Also weiter, vielleicht sollte ich mal etwas Gas geben. Ich versuche mir die schlechte Laune zu vertreiben. Mentales Training müsste ich vielleicht man in Betracht ziehen.

 

Manchmal sind es die kleinen Dinge

 

Ich erfreue mich an ein paar Fohlen, Nonnenberg, Aegidienberg und den Berg nach Ittenbach mit der ersten tollen Abfahrt und einem Krankenwagen. Da hat es wohl jemanden aus der Kurve gehauen. Spätestens das holt einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Eigenlicht will ich nur froh und munter im Ziel ankommen. Wozu der Stress? Reifi zieht an mir vorbei und feuert mich wie so oft lautstark an "weiter so, bald ist es schon vorbei! das sieht gut aus!" Kurz danach rasen Steve und Dirk mit ebenfalls aufmunternden Parolen an mir vorbei. Steve bietet mir noch seinen Flasche Wasser an, die ich ihm aber lasse, da gleich die Verpflegung kommt.. Außerdem habe ich die stille Hoffnung, dass meine volle Blase vom Körper so genötigt wird sich selbst zu recyceln und ich nicht aufs Dixi muss. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass das anatomisch nicht Möglich ist, aber ein Rest Hoffnung bleibt! Auf der Wende bessert sich schlagartig meine Laune. Nachdem mir nach 10 km schon die ersten entgegen kamen, die auf dem Rückweg waren, dachte ich mir nur, ich gebe auf, das hat ja gar keinen Sinn. Doch jetzt sehe ich zum ersten mal, was da noch so alles nach mir kommt und das sind gar nicht so wenige.Jetzt ist das meiste an Bergen auch schon vorbei. Es kommt nur noch Eudenbach, Bockeroth zurück und der Ennert, also alles halb so wild. Jetzt heißt es erst mal druck auf die Pedale, endlich mal ein wenig Pace gutmachen. In Eudenbach gibt es endlich Wasser für mich und langsam wird es auch zeit für mich etwas zu trinken. Ich rolle Richtung Wechselzone und wie letztes Jahr schon, kommt wieder Wehmut auf: das tollste ist vorbei, jetzt noch laufen.

 

Und jetzt die Kür

 

Jetzt kommen die 15 kmin der Hitze vor denen ich seit Tagen schiss habe. Drei Runden. Direkt zu Beginn: Wasser! Je einen Becher über den Kopf, einen Becher übers Herz und einen Becher in mich kippen, dann unter den zwei Duschen herlaufen. das kommt jetzt alle 2,5 km und das ist auch gut so. Da hat der Veranstalter alles richtig gemacht. Langsam spüre ich die Hitze deutlich. Ich hatte grob eine 6 er pace angepeilt bin aber total entspannt und unter den derzeitigen Umständen einfach nur in einem Stück im Ziel ankommen. Nur drei Runden! Die ersten gehen bereits. Wie verlockend aber eine Stimme in mir sagt, "das sind 15 km, die kannst du nicht spazieren, hebe dir das für später auf!" Es tut weh und an laufen erinnert hier zunächst wenig. Am Rand etliche Menschen, die einen anfeuern. Mit dem steigenden Leid der anderen wächst meine Motivation durchzuhalten. In der zweiten Runde stellt sich etwas wie Automatismus ein. Wieder Wasser über und in mich kippen, spätestens jetzt weiß ich, warum Triathlonschuhe die Eigenschaft besitzen "schnell trocknend" zu sein. Ich habe kleine Pfützen im Schuh. Ich überlege wie viel mehr Gewicht ich pro Dusche mit mir rumschleppe und ob das Gewicht oder der drohende Hitzschlag meine Pace versauen würde. Für mathematische Zeitrechnungen bin ich allerdings geistig nicht mehr in der Lage und mein Körper entscheidet alle 2,5 km die Duschen und alles Wasser mitzunehmen. Auf der letzten Runde fange ich endlich an, einen nach dem anderen zu überholen. Darunter auch Tabea, die mich beim Siegburg Triathlon vor einer Woche einfach hat stehen lassen und ich konnte sie nicht einholen, sie war einfach weg, ebenso wie letztes Jahr im Duathlon. Ich hatte damit schon abgeschlossen, sie mal zu überholen. Doch heute war es so weit, ich ziehe an ihr vorbei und bin stolz wie Bolle, gleichwohl ich weiß, dass mir das nicht nochmal passieren wird. Nach 4:28:28 Stunden bin ich im Ziel. Langsam konnte ich mal meine Blase, die sich leider nicht selbst recycelt hat entleeren. Im Ziel wird zunächst mit den restlichen Vereinsstartern berichtet ausgetauscht und sich beglückwünscht. Nach der Dusche geht es zum gemeinsamen Grillen am Rhein. Und während ich so in die Menge schaue, fällt mir eines wieder auf: toller Verein!

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Kommentare: 2
  • #1

    Georg (Donnerstag, 15 Juni 2017 10:19)

    Hallo Daniela,
    mit jedem Buchstaben kann man nachfühlen wie Du den 27 SWB "erlebt" hast! Klasse Bericht! Klasse Einstellung das DNF "no Option" ;ist trotz tausender Kleinigkeiten die schief laufen. . . .Unser Ziel: The Finish Line!
    #DNFNOOPTION
    PS: aus den Fehlern lernen und die neuen mit einem Lächeln akzeptieren

  • #2

    die Dani (Samstag, 24 Juni 2017 23:36)

    danke Georg, du hast so recht :-)