SSF Bonn Breitensportwochenende am Biggesee

Der Triathlet zeichnet sich ja im allgemeineren dadurch aus, dass er nicht im Rudel auftritt. Als steter Einzelkämpfer auf der Strecke und teils im Training, haben wir dem Image heute einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Breitensportwochenende vom SSF am Biggesee steht vor der Tür. 21 bestens gelaunte, sportlich hochmotivierte in augenkrebsfarbenem Lycra geschmückte Menschen, stehen vor dem Bootshaus in Beuel und horchen den Worten von Dirk, der uns noch ein paar Dinge zur Tour verrät. Unter anderem auch, dass Ralf, der mit Dirk das Wochenende organisiert hat, leider krank geworden ist. Gute Besserung und vor allem ein großer DANK für die ganze Organisation. Das Wochenende beginnt mit der Fahrt nach Olpe zum Biggesee, natürlich mit dem Rad ;-) 100 km und 1300 Höhenmeter. Schnell finden sich zwei Gruppen, die schnelleren, meist von den Herren dominiertere Gruppe und eine lockere Gruppe. Diese ist gekennzeichnet durch regen Redefluss, 99,99 % Frauenanteil und natürlich Dirk. 

 

 

Der Verpflegungsbus entpuppt sich als Futterkrippe

 

 

Nach den ersten 30 km und dem ersten Berg wartet der Bus auf uns. Menschenscharen sammeln sich hinter ihm um zu plündern und allerlei Zuckerzeugs zu verschlingen. Ich sehe es schon kommen, am Ende vom den zwei Tagen habe ich nicht nur Muskelmasse zugelegt. Die darauffolgenden 30 km verlaufen bis zur nächsten Verpflegung unkompliziert. Zwischendurch setzt sich Dirk zur Seite ab und zählt alle seine Schäfchen durch.  Die letzten 40 km , nachdem ich angenommen hatte, jetzt wird es entspannt, kommt ein Berg nach dem anderen. Selbst zur Jugendherberge hoch, erstreckt sich eine hübsche Steigung in ehrenvoller Erhabenheit. Ich rede schon gar nicht mehr, ich habe eigentlich mal wieder nur Hunger. Endlich angekommen habe ich eins: noch mehr HUNGER. Der Herbergsvater begrüßt uns und nun ist es Gewissheit, nächste Fütterung erst um halb sieben. Bis dahin haben wir Zeit zu Laufen und oder die Mitte beim Quigong auf der großen Wiese zu suchen. Ich entschließe mich mit Heike ein kleines Läufchen einzulegen und anschließend in uns zu gehen. In meiner Mitte habe ich genau eins gefunden, ein großes Loch: in meinem Magen.

Nach der letzten großen Fütterung für diesem Tag, die am Grill stattfindet, versammeln sich alle, zum Abend ausklingen lassen, in dem Café der Jugendherberge für ein paar Hopfensäfte sowie viele Geschichten und Erfahrungen rund um den Sport. Triathleten in Ihrer Freizeit erkennt man schließlich nicht nur daran, dass sie stets Sportschuhe in Neonfarben tragen sondern ebenfalls stets Gespräche über Pace, Wettkämpfe und die besten Schraubertipps für das geliebte Rad austauschen.

 

 

Neuer Tag, neue Herausforderungen

 

Die ganz eisernen unter uns gehen am Sonntag vor dem Frühstück schon eine runde laufen. Dazu gehöre natürlich auch ich. Nachdem ich gestern im Stockbett in der Aussparung für die Leiter mit dem Hintern hängen geblieben bin, dachte ich mir, das kann ja nicht schaden, ist schließlich Trainingslager und kein Urlaub. Nachdem  ich dann das Frühstücksbuffet geplündert habe, geht es für einen Teil mit dem Rad und einen anderen Teil mit dem Taxi zum 15 km entfernten Schwimmbad, wo sich Ingo bereit erklärt hat, das Training zu leiten. Ich habe keine Lust zusätzlich 30 km Berg auf und ab zusätzlich zu leisten und denke in meinem jugendlichen Leichtsinn, ein Taxi für 4 kann a nicht so teuer sein. Zumal es lediglich 15 km sind. Auch hier der kleine Unterschied: die Herren zu Rad, die Frauen zu Taxi. Am Schwimmbad angekommen, kenne ich das Leben der Taxifahrerin. Sie besitzt drei _Ferienhäuser, klagt gegen eine nicht erteilte Baugenehmigung, läuft lieber ohne zu reden, aber der Hund redet beim laufen ja auch nicht mit ihr und außerdem hat sie das einzige Taxi in dem Ort und den umliegenden orten. Somit erklärt sich auch der Preis von knapp 30 Euro. Wäre das ein Spendenlauf gewesen, wir hätten ordentlich etwas zusammen bekommen. Pro km 2 Euro. Kein Wunder, dass die Frau drei Häuser besitzt. Wie sie sich die Monopolstellung erarbeitet hat, möchte in dem Zusammenhang dann vielleicht auch besser nicht wissen. 

Im Schwimmbad angekommen, hatte man uns eine Bahn abgetrennt, damit wir in Ruhe schwimmen können oder um die anderen vor uns zu schützen. In dem anderen Schwimmbad wollte man uns nicht mit den Worten "Triathleten wirbeln das Wasser immer so auf" stimmt.. Frechheit, welcher Depp schwimmt auch in einem Schwimmbad? Unser Planschunterweiser Ingo erzählt uns derweil was er im Wasser für Choreographien von uns erwartet. Das Planschen war kurz und schmerzlos, aber das war in Anbetracht der noch zu erwarteten Rückfahrt auch ganz gut so. Deswegen geht es mit Frau Taximonopol wieder in die Jugendherberge.

 

Und wieder Heimwärts

 

 

Nach dem letzten richtigen Mahl werden die Räder wieder aus dem Keller hervorgeholt. Es geht Heimwärts. DA ja nun die Hinfahrt ordentlich Bergauf ging und es zurück schließlich 300 Höhenmeter weniger gibt, fahre ich ja quasi nur noch Bergab. Weit gefehlt, wie ich sehr bald feststelle. Getoppt wird das Ganze nur noch von einem Berg. Im Nachhinein liebevoll "Die Wand" genannt. Dirk bog nach links ab und brüllt gleich „ohoh! KLEINER Gang“ man hört wie unsere Damenrunde das Schaltwerk neu kennenlernt. Es geht Bergauf.  Rechts folgt ein kleines Plateau, der Blick nach links verrät, der Berg hört gar nicht auf und wird noch steiler. Ich entscheide mich, abzusteigen. Eine harte Entscheidung, aber am Boden zu liegen, eingeklickt in den Pedalen und gelähmt wie ein Käfer auf dem Rücken war dann doch keine Option. Es steigen nach und nach alle ab und schieben. Als wir endlich am Verpflegungsbus angekommen sind, hören wir, dass die Herren an einem Berg wohl abgestiegen sind. Das beruhigt mich dann doch sehr, dass es nicht an uns lag. Es war der Berg! :-D Der nebenbei Bemerkt auch zum hoch laufen nicht schön war. Immerhin haben wir auf den ersten 30 km die Hälfte der Höhenmeter schon hinter uns. Es kann nur besser werden. Und es wurde besser. Zeitweise, aber zum Ende hin immer mehr. Abends trudeln dann auch die Letzten wieder am Ausgangspunkt ein und es kommt ein bisschen Wehmut auf, das Wochenende ist schon wieder vorbei. Anstrengend war es aber vor allem schön!

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