Bonn Marathon

Da ist er, der große Tag. Mein erstes großes Saisonhighlight und vor allem mein erster Marathon. 42,195 km ausgeschrieben macht es das nicht besser. Den Samstag habe ich damit verbracht meine Startunterlagen abzuholen, mir die Verpflegungsstellen zu merken und wo ich was zu mir nehme. Noch nie habe ich mir so viele Gedanken um die Verpflegung während eines Wettkampfes gemacht. Eine Freundin sagte, alle 5km ein Gel, die anderen sagen jede Stunde ein Gel und am Ende jede 30 Minuten. Mein Kopf sagt mir, hoffentlich wird dir nicht schlecht von dem Chemiezuckerklebezeugs. Ich entscheide mich für jede zweite Verpflegungsstelle ein Gel und sonst viel Wasser. Macht in Summe sechs Gels. Die kann ich nicht alle mit mir schleppen. Die Iso Drinks, die an den Stellen gereicht werden von Dextro habe ich einmal bei einem Lauf getestet und danach ging es mir gar nicht gut. Die fallen also weg. Meine Gels habe ich Training gut vertragen, wenn auch nur zwei pro Lauf maximal von Nöten waren. Mein Support Team heute werden meine kleinere Schwester Tanja und ihr Freund Mike sein, die mir an drei Stellen etwas anreichen werden. Die Theorie steht, fehlt ja nur noch die Praxis!

 

Zugläufer für 4:30 Stunden

 

Alles ist verstaut, abgegeben oder zum Dixi gebracht. Ich stehe in meiner Magenta Startbox und reihe mich hinter den Zugläufern für die 4.30 h Zielzeit ein. Die zwei erklären ihr Vorhaben. Es klingt wie ein entspannter Klassenausflug "wir laufen in einem ruhigen 6:20 er Schnitt, an den Verpflegungsstellen etwas langsamer, so dass jeder Zeit genug hat etwas zu trinken. Die erste Hälfte laufen wir etwas schneller, die zweite etwas langsamer. Wir haben jetzt viel Zeit, um uns zu Unterhalten und ein paar Geschichten auszutauschen." Das klingt hier richtig nett und die 6:20 im Schnitt bekomme ich hin. Ich freue mich und da geht es auch schon los. Die ersten 10 km vergehen wie im Flug, ich bemerke es kaum, denke mir noch, dass ich immerhin schon ein viertel der Strecke habe. Immer mal wieder sehe ich meine Lieben vom SSF die mich lauthals anfeuern und mich total motivieren. Dann Beginnt dieses Zugläuferding mir auf den Sender zu gehen. Ein km in 6 Minuten, den danach in 6:46 und dann wieder drei km in einem 6er Schnitt. So dachte ich mir das nicht. Mein Puls findet das nach einem Kontrollblick auf die Uhr, ebenfalls nicht so atemberaubend.Ich beschließe bei km 19, die Zugläufer laufen zu lassen. Ein Intervalltraining auf die Marathondistanz ist mir heute doch zu experimentell.

 

Wäre ja auch zu schön gewesen

 

Bisher habe ich von dem schlimmsten ab km 30 gehört. Da ich gerne mal schneller bin, so auch hier. Bei mir wird es bereits ab dem 22 km schmerzhaft. Der erste Muskel im Oberschenkel rechts auf der Vorderseite macht dicht. Das tut nicht gut. Langsam meldet sich auch meine Blase zu Wort. Ich hatte fest damit gerechnet, dass ich um das Dixi herum komme, schließlich schaffe ich auch einen knapp 5 Stunden Duathlon mit einem Riegel und ohne Dixi, weshalb ich den Triathloneinteiler angezogen hatte. Dumm gelaufen. Ich Bewege mich 6 km durch die Beueler Seite mit einem stets suchendem Auge nach einem Dixi, während ich immer mal wieder halt machen muss, damit mein Muskel sich entspannen kann. Beim laufen entkleide ich mich halb, die Startnummer ist derweil schon zu Boden gesegelt, weil sie zu nass vom Wasser geworden ist, also trage ich sie, bis nach dem Dixi. Als die Blase entleert ist und ich wieder alles am rechten Fleck habe, geht es weiter. Jetzt fängt die andere Seite des Oberschenkels an zu krampfen. Dicht gefolgt von den Waden und der Rückseite der Oberschenkel und ich habe erst 25 km hinter mir. Innerlich fluche ich und beschließe so einen Scheiß nie wieder zu machen. Es ist so schmerzhaft, dagegen kam mir das 24h Schwimmen mit Gliederschmerzen wie ein Kindergeburtstag vor. Bei km 30 steht meine Fangemeinde zu der sich jetzt auch mein Papa gesellt hat. Diese feuern mich kräftig an, das Gel mag ich nicht mehr haben und entgegne, dass mein Magen streikt. Die letzten 12 km sind ein stetiger Wechsel aus gehen und joggen. Ich beginne mich mit den immer gleichen Mitstreitern zu Überholen. Unter anderem auch Andrei aus meinem Verein, was wir allerdings erst bei km 40 bemerken und uns die letzten 2 km noch trabend und quasselnd ins ziel schleppen. Am Ende bin weit entfernt von meiner gewollten Zielzeit und bin nach knapp 5h durch. Vollkommen durch. Woran es am Ende gelegen hat, weiß ich nicht. Zu wenig Vorbereitung, nicht mein Tag, zu warm, zu viel Gel oder zu wenig ich habe keine Ahnung. Aber ich werde es nochmal machen. Nicht in diesem Jahr und dann besser Vorbereitet, ohne Zugläufer mit Redebegleitung. Das kann nicht mein letzter gewesen sein. Und bis dahin begleiche ich meine offene Rechnung mit dem 24h Schwimmen :-D

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Alex (Dienstag, 16 Mai 2017 14:35)

    Beim ersten Marathon spielt die Zeit keine Rolle, dass Ziel heißt "Ankommen"...also, herzlichen Glückwunsch.Tolle Leistung!