3 Monate Rad statt Auto oder Vogelfrei

Der Frühling hat begonnen, jedenfalls laut meinem Kalender in der Küche. Mit dem Frühling beginnt ebenfalls die Radsaison. Durch das verscherbeln meines Vierrades durfte ich die letzten drei Monate in Bonn als umweltbewusster Mensch verleben. Da ich fast täglich in die Innenstadt und wieder zurück in mein kleines Muckeldorf fahre, habe ich einiges an Mordanschlägen erfahren. Ja Bonn du meine liebe Heimatstadt, was hast du dir bei diesen Radwegen eigentlich gedacht? Und ihr lieben Autofahrer, was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid? Maßregelnde Besserwisser hinter dem Lenkrad, die meinen mich mit ihrem Auto erziehen zu wollen... Ach wie ich sie liebe und weil ich sie so liebe, schreie ich ihnen das auch fast täglich hinterher. Da es in der Mitte immer kuschelig und warm ist, gibt es oft auch den kuscheligsten Finger an die lieben Besserwisser hinterher gezeigt. Manchmal bekomme ich auch hier anerkennendes Hupen zurück. Schön mit euch :-)

 

Radfahrer mag niemand!

 

Die schönste Zeit um mich mit dem Mountainbike zum Training zu begeben ist definitiv der Samstag morgen um halb sieben. Die Zeit wo fast keiner den Asphalt mit mir teilen möchte. Dahingegen ist es NIEMALS schön, wenn ich während der Feierabendzeit oder auf dem Weg zur Arbeit unterwegs bin. Ein Radweg auf der Straße wird lediglich als die Verirrung der Stadt mit dem Pinsel auf dem Asphalt angesehen. Diesen dahingerotzten Fahrradschutzstreifen gilt es stets zu überfahren, zu beparken oder hastig drauf zufahren um dann nachzusehen, ob die Straße zum Abbiegen frei ist. Blöd, wenn man als Radfahrer sich erdreistet von seinem Fahrradschutzstreifen Gebrauch zu machen. Aber wehe dem, man benutze einmal die Straße und nicht den angepriesenen Radweg, der so nett mit Glassplittern bestreut wurde. Dann erfolgt sofort ein Hupkonzert und Bedrängung mittels eines Kraftwagens. Attacken durch Autotüren sind hier noch fast als guter Ton des Fahrradhassers anzusehen. Generell gehöre ich als Mensch auf zwei Rädern ja ohnehin zu den meist gehassten Verkehrsteilnehmern Deutschlands. Zu toppen ist dies nur, wenn ich mich erdreiste mein "roadbike" also Rennrad auszuführen und von der Rolle im Wohnzimmer zu befreien. Das Schmuckstück zählt zu den Kampfhunden unter den Fahrrädern. Wenn man dann noch in Augenkrebserregenden Neonfarben unterwegs ist, wird man erst Recht als Hindernis, das es gilt aus dem Weg zu räumen, angesehen. Ähnlich wie das Bullseye beim Dart beschossen wird.

 

Liebe Stadt Bonn, Radfreundlich ist anders!

 

Jedenfalls sieht die Stadt Bonn es offensichtlich so, dass Straßen die seitlich mit Schlaglöchern übersät sind, definitiv nicht zu reparieren, sondern flux einen "Fahrradschutzstreifen" zu ziehen und sich selbst für die glorreiche Idee zu beklatschen, man habe die Stadt wieder ein wenig Radfreundlicher gestaltet. Liebe Stadt Bonn, das habt ihr nicht! Ich habe mein Mountainbike mit meiner schönen Federgabel mittlerweile zum Stadtrad umfunktioniert. Trotzdem ist der "Coffee to go Becher" meist  nur noch halb voll, wenn ich am Ziel angekommen bin. Aber ich bin ja flexibel und werde mir den Kaffee in einen Trinkrucksack kippen, Getränkehalter sind schließlich unnötiges Gewicht und das kostet am Ende wichtige Sekunden, die ich brauche um einem Auto auszuweichen. Aber nicht nur Autofahrer hassen mich. Da ich nicht die ganze Fahrt in Angst um mein körperliches Wohl auf der Straße Leben möchte, nutze ich im Stadtverkehr sehr viel die Radwege. Radweg ist eigentlich auch hier ein Scherz. Radweg heißt, ich muss an Bushaltestellen in die Menge rasen, weil der Weg mitten durch Bushaltestellen führt und generell mit dem Gehweg zusammengeschlossen wurde. Ich kann mich sicherlich mit den Fußgängern arrangieren. Leider passt auf diesen Weg meist nicht beides. Wenn doch, dann nur hintereinander. Meint ich fahre mit dem Rad hinter Fußgängern hinterher und klingel, diese hören mich aber durch Beschallung eines Elektronischen Gerätes in dessen Besitzerohren nicht. Irgendwann erschrecken diese sich zu Tode, wenn sie merken, dass ich auch noch da bin und vorbei möchte... ja Überraschung! und jetzt fall Tot um, ich habe dich verfolgt und du hast mich erwischt! Dicht gefolgt von dieser Gehörlosen Spezies ist die durch das Handy abgelenkte Spezies der Zombies, die durch die Gegend irren und stets schwer überrascht aufschrecken, wenn man sie aus Ihrer Welt holt. Und jetzt wo, der Frühling da ist und ich noch viel mehr auf der Straße mit meinem Kampfhund unterwegs sein werde, bin ich gespannt auf was ich noch alles treffe, oder was mich trifft...

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