43. Königsforst Marathon

Der Tag vor so einem Wettkampf kann einem auch schon mal die Laune auf diesen verderben. Es regnet in strömen und mein einziger Gedanke: wenn ich morgen bei dem Regen im Matsch , im Wald rennen soll, dann werde ich das wohl lassen. Ich muss knapp 2 h Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmittel anreisen, macht gesamt 4 h Fahrt und wäre sehr wahrscheinlich mit dem Rad schneller. Zudem ist es eine wellige Strecke, sprich ein ewiges auf und ab. Das kann ich ja leiden. Selbst Brücken meide ich so gut es geht. Ich jammre meine Freundin Kathi bei WhatsApp zu, die mir dann mit dem Torschlagargument kommt: es gibt doch die Eulen Medaille! Na gut, sie hat Recht, nicht nur allein weil sie Jura studiert hat. Und bei der Jahresplanung mit Criss Cross habe ich für den Königsforst zugesagt, weil er bei irgendeinem von meinen Terminen zugesagt hatte. Ich weiß zwar nicht mehr bei welchem, aber irgendetwas war da. Kneifen gilt also nicht. Aber mein Ziel für den Lauf kann ich definitiv in ein gesünderes Level schieben ;-)

 

Engel gegen Teufel

 

Also mache ich mich auf den Weg zum Bus. Mein Müsli habe ich mitgenommen, die Zeit im Zug muss ja sinnvoll genutzt werden. Die heilige Bewässerung von oben hat über Nacht aufgegeben, was mir sehr entgegen kommt. Ich versuche mir das Ganze schön zu reden. Das Wetter ist super zum Laufen, nicht zu warm und nicht zu kalt. Mein Gehirn antwortet "Deine schönen leuchtenden sauberen Schuhe sehen später total matschig aus und die werden nicht mehr schön werden!" Du hättest an einem Sonntag sonst eh nichts zu tun, dann kannst auch mit vielen gemeinsam Laufen. "Aber Netflix hat doch so viele Optionen für solche Tage". Ich versuche das alles zu überhören, setzte mich in den Bus und höre Musik. In Deutz treffe ich auf Criss Cross. Von dort geht es weiter Richtung Bensberg. Hat etwas von einer Schnitzeljagd für ein paar Zielbananen. Samstag mal einkaufen gehen wäre irgendwie leichter. Als wir ankommen, versuchen wir unsere Startnummer zu bekommen. Es ist die Hölle los. Ich schaffe es nachdem ich meine Startnummer habe, mich an der Schlange zur Rucksackabgabe gleichzeitig umzuziehen, langsam nach vorne zu Bewegen und noch Silke aus meinem Verein zu begrüßen. Um 11:00 Uhr ist Start und ich bin um 10:58 fertig. Abgehetzt aber alles sitzt am Fleck. So kann man auch Wechselzeiten für den Triathlon üben. 

 

Konzentration BITTE!

 

Mit dem Startschuss fällt auch meine Entscheidung für mein persönliches Ziel. Nicht verausgaben und wenn ich unter 2:10 Stunden im Ziel ankomme, bin ich auch zufrieden. Auf dem ersten km laufen Stefan und Steven, ebenfalls aus meinem Verein an mir vorbei. Nach und nach immer mehr bekannte Gesichter, meine Laune wird besser, zumal es Bergab geht. Aber was runter geht muss ja auch wieder hoch gehen und so ist nach der ersten Bergabfreude auch der Bergaufhass da. Ich mache mir keinen Stress, sogar meine Laufuhr lasse ich komplett außer acht. Die ersten 5 km geht es heiter hoch und runter, wie meine Laune :-D Irgendwann schaffe ich es, das auszublenden und beobachte das treiben um mich herum. Es ist unglaublich voll und man ist nie allein auf der Strecke sondern stets im Rudel. Ein Mann vor mir hat auf dem Rücken einen Schweißfleck der die Form einer Walnusshälfte angenommen hat. Ob das jetzt psychologisch Rückschlüsse auf mein Wesen geben kann? Walnuss = Hunger? Batman =ich brauche Hilfe und Schmetterling = die Raupe Nimmersatt ist tot? Ich überhole ihn und suche mir ein neues Gedankenspiel aus. 

 

Giftgasangriffe!

 

Am Samstag Abend habe ich mich zu einem Meet up for english speakers breitschlagen lassen und mich dort mit Matthew aus GB unterhalten. Er hat früher Triathlon gemacht und mich gefragt, wie ich meinen Laufstil trainiere. Meine Antwort, dass ich Laufe wie ich tanze, also Freestyle (nicht schön aber selten) bewegte ihn zu dem Tipp, dass viele Läufer zu sehr auf und ab hüpfen beim Laufen. In der Aussage habe ich mich wiedergefunden. Ein guter Trick wäre, auf eine Mauer zu zulaufen und darauf zu achten, dass sich diese nicht zu sehr auf und ab bewegt. Aus dem Spaß, dass ich das während meines Halbmarathons heute versuchen wollte, wurde jetzt ernst. Ich sehe einen großen Berg von Baumstämmen auf die ich geradewegs zu renne. Ich fixiere diese und achte einmal darauf, dass ich nicht zu sehr hüpfe. Gar nicht so einfach. Ich werde von einem bestialischem Gestank aus meinen Gedanken gerissen. Es scheint einige Läufer zu geben, die Ihre Mitstreiter durch Giftgas Attacken ausschalten wollen. Kurzzeitig wird es mir ziemlich ekelhaft in der Magengegend. Solche Leute möchte ich ja am liebsten an den Wasserstellen mit einem Becher bewerfen und am liebsten ein Stück Seife hinterher. 

 

Da ist die Eule :-)

 

Ich komme an einer Verpflegungsstand an und merke, dass ich aufhöre zu rennen, entspannt einen Becher Wasser wegnehme um dann ruhig beim gehen zu trinken und wieder Kurs aufzunehmen. So entspannt war ich seit dem Königs 10er nicht mehr :-D Nach 19 km wieder das übliche "ich mag nicht mehr" und dann noch Bergauf. Ich versuche mich die letzten 2 km zusammen zu reißen und mich ins Ziel zu bringen. Die Marathonis kommen mir entgegen. Diese begeben sich gerade auf ihre 2. Runde. Ein wenig Mitleid habe ich schon und mir wird klar, dass mir in nur zwei Wochen exakt der gleiche Mist blüht. Wer kam eigentlich auf diese Deppenidee, mich da anzumelden?! Im Ziel angekommen, gibt es endlich die Eule um den Hals gehangen. Kurz in den Apfeleimer gegriffen, ein Bier geschnappt und zu Criss gedackelt. Ich bin unter meinen 2:10 h geblieben, entspannt und zufrieden. Criss ist heute ebenfalls nicht schnell gewesen, lässt sich trotzdem noch Massieren... Selbst der Physio ist verwundert, dass seine Waden so locker sind.. vom spazieren gehen, krampfen die ja auch nicht ;-) Ich gehe mich morgen bei Maresa im Yoga zusammenfalten. Da sind die Entfaltungsmöglichkeiten auch meist sehr hoch. Silke hat den ersten Platz gemacht! Herzlichen Glückwunsch du Maschine!!!

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