24h Schwimmen Wuppertal

Endlich mal wieder eine Herausforderung vor der ich nicht schlafen kann. Ziemlich müde, aber wenigstens mit Kaffee im Blut mache ich mich auf den Weg nach Wuppertal. Dort werde ich heute am 24h Schwimmen mit Criss Cross teilnehmen. Meine komplette Vorbereitung lag einzig und allein darin im Internet  zu googeln und eine alte Klassenkameradin nach Tipps zu fragen, die öfter mal sehr viel schwimmt. Danke Stella :-) So weiß ich jetzt, dass ich Tee brauche für die angeschlagenen Atemwege und Bronchien vom Chlor, Oropax und Schlafmaske für ein wenig Schlaf und das wichtigste: jede Menge Essen. Klingt nach einem Traumwochenende, das nur aus Sport, Essen und ausruhen besteht. Warum ich dafür von einigen für bekloppt erklärt werde, liegt mir allerdings fern. Besser kann ich meine freie Zeit gar nicht nutzen. Criss Cross und ich sind viel zu früh da. Als grobes Ziel habe ich mir gesetzt: 24 Stunden- 24 km schwimmen. Um 13 Uhr geht es los. Wir haben unsere Chill Out Area bereits am Beckenrand eingerichtet. Ich werde von einer Grundschule angeworben, auf dessen Bahn ich schwimmen darf, man sei nur zu dritt. Ok ein Kind, damit kann ich leben... Es geht los. Erstes Teilziel: 2 Stunden, 4 km. Das Becken füllt sich innerhalb der ersten halbe Stunde mit mehr und mehr Kindern. Das ist ja im Prinzip nichts schlimmes, aber die schwimmen halt nicht, sondern haben wohl als Ziel, 24 h zu planschen. Eines der Kiddies verpasst mir beim schwimmen einen ordentlichen Tritt gegen meinen kleinen Finger. Es fühlt sich ziemlich mies an. Aber so lange nichts blutet, kann ich im Wasser bleiben. Der Schmerz wird ignoriert, wird sicher nicht der einzige bleiben.

 

Das ist kein DJ- das ist eine Zumutung

 

Die ersten 4 km sind geschafft. Das ist im Übrigen jetzt schon meinen weiteste Strecke die ich je an einem Tag geschwommen bin und ich bin mit  1:20 Stunden auch sehr viel schneller als geplant. Heißt für mich, zwei ein-halb Stunden Pause. Die Intervalle habe ich je mit 4 km und zwei Stunden angesetzt. Über WhatsApp gebe ich meine ersten Statusberichte ab und werde gleich vom Röckle virtuell beschimpft, warum ich nicht im Wasser sei. Nach der Aufklärung die weitere Anweisung: ich solle mich jetzt ausruhen. Röckle als Coach wärst du super! Jetzt heißt es zunächst Futter fassen und den anderen beim treiben zusehen. Meine Grundschulbahn wird leerer, ich ergreife meine Chance und gehe eine halbe Stunde früher ins Wasser für die nächsten 4 km. Irgendwie hat das wohl alle anderen auch angezogen. Dass ich so ein Kindermagnet bin, hätte ich nicht für möglich gehalten. Es beginnt allerdings mir zunehmend auf den Sender zu gehen, dass ich so viel acht geben muss, nicht mit jemandem Kopf an Kopf zu knallen. Nach kurzer Absprache wechsle ich die Bahn. Mittlerweile schwimme ich auch ein paar Bahnen Brust um meine Arme ein wenig zu entlasten. Das Chlor beginnt seine Wirkung zu Zeigen. Meine Bronchien sind trocken und der versprochene Reizhusten setzt allmählich ein. Jetzt freue ich mich über die 2 Stunden Pause. Es gibt hier auch 24h Musik von einem DJ, leider spielt dieser konstant die Musik die ich früher gegen 5 Uhr morgens in Discotheken zu hören bekommen habe.. "rauswerfmucke", irgendwelchen schrammel Techno, den mindestens 90% der Anwesenden so schrecklich finden, wie ich. Zwischenzeitlich vergisst er eine neue Playlist zu aktivieren und man hört die letzten 10 Sekunden eines Schrammelliedes für eine halbe Stunde. Ich hatte erst einen Kaffee, keinen Zucker und kaum Schlaf. Ich versuche es zu ignorieren.

 

Criss Cross ist raus

 

Nachdem er heute seine Schwimmbrille vergessen und sich meine Ersatzbrille geliehen hat, war ich froh, dass er wenigstens an seine Hose gedacht hat. Nach knapp 4000 Metern muss er aufgeben, weil sein Ellbogen schmerzt. Ich bin mir sicher, dass es nur eine Ausrede ist, weil er nicht wieder verlieren will :-D Ich steige für die Vollendung der 12 km wieder ins Becken. Wir haben mittlerweile 20 Uhr. Danach habe ich drei Stunden Pause bis zum Nachtpokal und werde wohl ein Nickerchen einlegen. Meine Arme werden von Bahn zu Bahn schwerer, sobald ich Brustschwimme, meldet sich mein Magen und ich muss mich beherrschen nicht allen zu zeigen, was ich da gestern noch leckeres gebacken habe. Und hoffe, dass im Falle des Falles ich schneller bin als die Insel :-D Ich muss langsamer machen. Trotz stetiger Bewegung wird es mir langsam richtig kalt im Wasser. Ich bin froh, als meine Uhr die Halbzeit und die 12 km anzeigt und freue mich auf einen warmen Schlafsack und einen harten Boden. Essen mag ich nicht mehr.

 

Jetzt ziert ein Totenkopf meinen Badeanzug

 

In meiner drei Stunden Pause komme ich auf die Idee während des Nachtpokals, gleichzeitig von 1:00 bis 3:00 Uhr mein Totenkopfabzeichen zu machen. Ich werde also wirklich mal 2 Stunden am Stück schwimmen müssen. Vielleicht auch nicht die schlechteste Idee, denn ich befürchte langsam, dass ich mit jeder Pause weniger gewillt bin wieder ins Wasser zu gehen. So kann ich ein paar Meter für die Nächste Einheit gut machen. Die Gänsehautschauer werden nicht weniger, meine Bronchien schmerzen richtig, mein Kopf ist zu und schmerzt. Vor mir reibt eine Mutter Ihr Kind komplett mit Voltaren ein und legt es schlafen. Na so weit kommt das noch. Entweder schaffe ich es mit Schmerzen oder gar nicht. Ich versuche zu Schlafen, erfolglos. Dieses mal liegt es nicht an dem tollen DJ sondern an der Gesamtsituation. Um kurz vor ein Uhr mache ich mich wieder auf den Weg ins Becken. Für die Stunde des Nachtpokals ist es voll, mit Kindern aber die zweite Stunde habe ich Ruhe. Ich bin fast allein im Wasser, habe nur leider kaum noch Kraft und die Brustschwimmeinheiten werden zunehmend mehr. Meine linke Schulter schmerzt mit jedem Zug, aber nicht vom Muskel her, wie der Rest des Körpers, da ist irgend etwas stark Überlastet. Der Reizhusten und die Kälte setzen mir weiter zu  und mein Magen streikt komplett. Nach 2 Stunden habe ich gerade mal 600 Meter für die Nächste Einheit raus geholt, unter normalen Umständen hätte ich da locker noch 2 km raushauen können. Langsam bezweifle ich, dass ich die 24 km schaffe. Noch zwei mal muss ich dafür ins Wasser und mir bleiben noch 10 Stunden. Ich gehe vollkommen erschlagen in Criss Cross Schlafsack auf seiner weichen Isomatte und belege, seinen Platz komplett. Er wurde zum Bahnen zählen verdonnert und hält sich dort bis halb fünf wacker. Immerhin habe ich jetzt mein Totenkopfabzeichen, da werden die Kinder mit dem Seepferdchen sicher neidisch sein :-P

 

Wieder ins Wasser? Echt jetzt ?!

 

Um viertel nach Fünf werde ich wach und schaue auf die Uhr um mit großem Schrecken festzustellen, dass ich in 45 Minuten wieder im Wasser sein wollte. Kurz keimt in mir der Gedanke "Bitte nicht" auf. Zu meinen Füßen liegt mittlerweile auch Criss Cross, der anstelle von Schafen, Bahnen in den Schlaf gezählt hat. Das Wasser ist ruhig, Wahlklänge summen aus den Boxen. Aber da ich ja eh nicht der morgen Mensch bin, gebe ich mich damit zufrieden, erst mal einen Tee zu trinken, das Röckle voll zu quengeln und mich dann ggf. um sieben erst ins Wasser zu werfen. Es geht mir tatsächlich nicht gut. Nach langem hin und her überlegen entscheide ich mich, die letzten 3400 Meter irgendwie hinter mich zu bringen, egal wie lange es dauert und dann die Heimreise anzutreten. Wenigstens 20 km. Nach einem Tee und einer Unterhaltung mit einem aus dem nervtötenden Brustschwimm Dreigestirn, die mir permanent im Weg umher getrieben sind, geht es mir besser. Zumindest Mental. Auch weil ich so viele im Freundeskreis und vom Verein habe, die mich stets übers Handy anfeuern und motivieren. Der Herr erzählt mir mit roten Augen vom Chlor, er sei das erste Mal seit drei Jahren in einem Schwimmbad und auf die unglaublich unkomfortable Art und Weise (Alt-Oma Brust; mit dem Kopf stets über Wasser) 8 km geschwommen. Irgendwie beeindruckt mich das. Trotzdem kann er jetzt auch seine zwei Freunde einpacken, ich habe keine Kraft mehr, denen aus dem Weg zu schwimmen. Ich steige für die letzten km ins Wasser. An Kraulzüge ist gar nicht mehr zu denken. Ich habe regelrecht schmerzen und brauche auch beim Brustschwimmen eine gefühlte Ewigkeit. Vom Wasser aus sehe ich, dass Criss Cross noch im Land der Träume ist, da höre ich, dass der DJ wieder seine bezaubernde Rauswerfmucke anschmeißt und laut aufdreht. AUFSTEHEN :-D Ein wenig Schadenfroh bin ich schon und schwimme weiter. Es ist vollbracht. Vollkommen erschlagen steige ich aus dem Wasser. Mir ist saukalt und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die letzten 4 km nicht schwimmen werde. Ich gehe zurück zur Chill Out Area und habe endlich wieder hunger. 

 

Doch nicht das Chlor schuld?

 

Nach einer halben Stunde und dem verfuttern meiner Vorräte bin ich zu dem endgültigen Entschluss gekommen, dass mir die 8 Stunden schwimmen in 20 Stunden gereicht haben. Ganze 800 Bahnen. Mir geht es tatsächlich nicht gut. Ich quäle mich mit dem Bus zum HBF in Wuppertal, dann in Köln noch umsteigen, bis ich endlich zu Hause bin, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Nach einem Nickerchen auf der Couch, gehe ich endlich ins Bett, wohlgemerkt um halb fünf um dann, um halb zehn wach zu werden und festzustellen, dass ich Fieber habe und immer noch ordentlich Husten. Heute zum Doc und tada: Bronchitis, Antibiotika und Geräusche in der Lunge... hmm.. aber gekrönt durch : "warum macht man denn ein 24h schwimmen?" so Frau Doktor. Ganz einfach: weil ich es kann! Und genau deswegen werde ich es wieder tun! Und wenn ich erst mal gesund bin, dann werde ich der reißende Strom zu Wasser sein :-D

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    CrissCross (Dienstag, 31 Januar 2017 19:32)

    Anmerkung an die Redaktion das waren 4600 Meter bevor mich ein Motorschaden rausgeworfen hat :-D

  • #2

    die Dani (Dienstag, 31 Januar 2017 21:53)

    Entschuldige Bitte, ich will mal nicht so sein und besser nach: Es handelt sich hierbei offensichtlich um böswillige Untertreibung, dementsprechend werden die Leistungen von Criss Cross im Sinne des aufrundens zu seinen Gunsten entschieden, somit ist er knapp 5000 Meter umhergetrieben :-P

  • #3

    Jessi (Mittwoch, 01 Februar 2017 10:00)

    Schöne Leistung, war auch dort allerdings bin ich teilweise mit meiner 4 jährigen Nichte geschwommen, so dass mir am Samstag nach einer Stunde mein Knie sehr weh tat. Aber Sonntag bin ich dann doch wieder ins Wasser und bin mit meiner großen Nichte, der es reicht, dass ich mit ihr im Wasser war nochmal 1,5 h geschwommen. Mein Knie tut immer noch weh (wohl eine Entzündung), aber krank bin ich nicht geworden. Knie zählt ja nicht als krank. Ungeübt und mit Behinderung 3,1 km geschwommen. Wenn wir in Velbert schwimmen werde ist das Ziel 5 km, sollte machbar sein und hoffentlich ohne Schmerzen.

  • #4

    die Dani (Mittwoch, 01 Februar 2017 15:02)

    Hi Jessi,

    das klingt super und das trotz Knie! Da fehlt ja beim Brustschwimmen schon die Hälfte des Antriebs, und dass die kleinen damit machen. Wahnsinn! War ohnehin beeindruckt, wie viele Grundschulen da mitgemacht haben. Bei mir gab es das nicht :-( Velbert, da muss ich mich mal schlau machen, wann das ist.. klingt nach einer neuen Idee :-D

  • #5

    Jessi (Mittwoch, 01 Februar 2017 15:12)

    Die Kleine hat in den 2 Tagen allerdings waren das ungefähr 2 Stunden 1 km zurück gelegt. Hat aber auch noch im letzten Jahr schon Bronze gemacht. Wollten eigentlich nur gucken, was der Bademeister sagt, wenn so einen Kleine kommt und fragt. Aber hat sie ja geschafft. (Hat aber letztes Jahr im Sommer erst angefangen schwimmen zu lernen). Die große Nichte wollte Sonntag noch das silberne Abzeichen machen, und obwohl nach 20 Minuten kam wie lange noch und nach 30 Minuten ich kann nicht mehr, hat sie es geschafft.

    In Velbert ist das 24 h Stunden bzw. 23 Stunden schwimmen (Uhren werden umgestellt) im März.
    Mit dem Knie liegt wohl auch mit daran, dass ich wegen der Kleinen mehr auf der Stelle geschwommen und ich mich ziemlich gebremst habe. Das geht glaub ich so richtig aufs Knie.