Endlich, ein Halbmarathon!

Ein letztes Mal nach Leverkusen für die Winterlaufserie. Nach 10 und 15 km kommt heute mein 2. Halbmarathon und man glaubt es kaum, ich könnte laufen. Seit gestern schmerzt allerdings wieder die Sehne im Fuß. Ich überleg hin und her, setze die Fußbandage an und denke mir noch, entweder ist es das Beste was du gerade machst oder das dümmste, diese Bandage das erste Mal und dann auch noch in einem Wettkampf zu tragen. Nach dem Frühstück und meinem ersten Kaffee mit Koffein seit einer Woche, fahre ich mit dem Bus zum Hauptbahnhof um dort in den Zug nach Leverkusen zu steigen. Langsam lerne ich die Vorzüge eines Daseins ohne Auto kennen, man ist viel entspannter unterwegs und muss sich nicht um den Verkehr kümmern. Was für mich bedeutet, jeden Autofahrer laut auf das richtige Verhalten im Verkehr hinzupöbeln. Denn generell fahren einfach alle, wie Idioten, außer mir natürlich. In Leverkusen Mitte wartet bereits Criss Cross und wir wandern gemeinsam zum Stadion. Bis hier läuft es ja ganz gut...

 

Keine Hose, keine Competition

 

In der Halle angekommen, ziehen wir uns um und verstauen unsere Wertsachen im Spint. Criss Cross nuschelt irgendwas in seinen Rucksack und wirft seine Laufsachen von links nach rechts und zurück, wie ein kleines Kind, dass im Kleiderschrank etwas sucht. Ich frage, ob er bald mal fertig sei. Er steht in seinen Boxershorts und Laufshirt vor mir um mir dann zu erklären, dass er dieses mal an fast alles gedacht hat. An alles außer seiner Hose. Ich muss leider ziemlich lachen. Meinen Vorschlag in seiner Boxershorts zu laufen findet er nicht so hilfreich, es sei zu kalt.. Meiner Meinung nach könnte er dann auch schneller laufen. Gewinner haben schließlich immer kurze Hosen an. In Jeans laufen kommt wohl auch nicht in Frage und 10 Minuten vor dem Start war ebenfalls nirgends eine Alternative aufzutreiben. Also ist Criss Cross heute Zuschauer und mein Motivator! Ich gehe an den Start, mal wieder nicht warmgelaufen aber frohen Mutes und einem Lachen im Gesicht... noch.

 

Tut das weh!

 

Eine Pace von 5:37 Minuten will ich in Angriff nehmen, um unter zwei Stunden zu bleiben. Trainiert habe ich dieses mal nicht auf den Halbmarathon. Wahrscheinlich stehe ich auch nur aus diesem Grund hier, weil mir die Möglichkeit genommen wurde, mich im Training restlos zu zerschießen :-D Ich bin zwar generell im Training aber meine letzten Bemühungen galten eher auf kürzeren Strecken schneller zu werden und nicht auf längeren Distanzen. Ich kann das schaffen, aber es wird hart. Es geht los in die erste von 4 Runden. Ich muss mich mal wieder bremsen um an Ende nicht alles an Pulver verschossen zu haben. Die erste Runde läuft gut, ich fühle mich gut, die Musik hebt die Laune zusätzlich. Heute ein bunter Blumenstrauß an alten Discohits, zu Zeiten, wo ich selbst mindestens zwei mal in der Woche in der Lokalität des Nachttriathlons aktive Teilhaberin war, rauchen, saufen, tanzen. Die zweite Runde wird in Angriff genommen. Auch hier alles gut. Mittlerweile bin ich froh, dass ich vor dem Start doch nichts mehr gegessen habe. Am Wasser verschluckt huste ich mich in die vorletzte Runde und es beginnt der Kampf. Von km zu km wird es anstrengender. Ich schaffe es kaum meine Pace von 5:37 aufrecht zu halten. Nachdem ich die 12 km meine Zeit leicht übertroffen habe, laufe ich immer langsamer. Die vierte und letzte Runde steht an. In Gedanken rechen ich, ob es noch reicht. Mein Kopf sagt gib auf, meine Oberschenkel fangen langsam an zu krampfen. Die ewige Überlegung ob ich jetzt doch mal ein paar Schritte gehe, werden immer lauter. Das einzige, was mich abhält, mir würde sehr kalt, ich würde krank und meine Zeit nicht um ein paar Sekunden, sondern um ein paar Minuten verfehlen. Ich schleppe mich weiter und sehe das Schild "19km". Fast geschafft. Die Musik wird schon leicht nervig, was kein gutes Zeichen ist. Ich schaue auf meine Uhr und merke, dass ich es schaffen kann, das wird eine ganz knappe Geschichte. 6:14 Minuten der km, ich muss einen Zahn zulegen. Ich versuche alles auszublenden und höre mich laut atmen. Ok, es ist mehr ein stöhnen, wie kurz vor dem verenden. Kein so schöner Klang aber so lernt man mal seine Stimme kennen. Endlich sehe ich das Ziel und die Große Uhr, auf der ich von weitem sehe, dass ich es schaffe und renne mit schmerzverzerrtem Gesicht auf das Ziel los, damit das ganze endlich ein Ende hat. Geschafft: 01:58:37 Minuten in einer gesamt Pace von 5:37 Minuten --> Punktlandung!

 

Kann mich jemand nach Hause tragen?

 

Im Ziel wartet Criss mit den Worten "das war aber auch Sterben mit Anlauf". Oh ja das war es, man reiche mir das Wasser. Der Moderator schaut mich an und fragt: "na, erster Halbmarathon?" Ich sehe zu ihm hoch, hebe die Augenbraue und sage NEEEIIEN...um dann kleinlaut und leise "der zweite" zu antworten :-D Aber dieser hat um eigenes mehr weh getan als der erste. Ich schleppe mich in die Halle und muss mich erst mal setzen. Und ich will einen Marathon laufen? Das habe ich mir ja gut überlegt... NICHT. Einen Halbmarathon im Anschluss an 1,9 km schwimmen und 90 km Rad beim IM Zell am See? Der nächste Halbmarathon folgt in zwei Monaten. Das einzige was mich gerade beruhigt ist der Gedanke, ich kann dafür noch eine Weile trainieren. Nur nicht heute oder morgen, da bin ich froh wenn ich die Treppen aus meiner Wohnung runterlaufe und mich nicht aus Not einfach runterfallen lasse, weil es weniger schmerzt, um ins Büro zu kommen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Lars W. (Dienstag, 17 Januar 2017 21:23)

    Wie immer ein sehr cooler Bericht! ��

  • #2

    die Dani (Montag, 30 Januar 2017 16:11)

    danke Lars :-)