Zülpich Triathlon, trotz Pannen Platz 3

Drei Wochen ist nun schon der letzte Wettkampf her. Ich bin ja fast erholt, wenn nicht sogar gelangweilt. Umso mehr freue ich mich auf den Zülpich Triathlon, der im letzten Jahr einer der schönsten für mich gewesen war. Da lässt sich doch heute sicher dran anknüpfen. Die Vorbereitung lief eher so semi optimal. Erkältet, die Nebenhöhlen zu aber voller Tatendrang. Die Taktik steht schließlich auch. Ausrasten auf kompletter Strecke. Die Nacht zu kurz, der morgen zu hektisch. Im Auto auf dem Weg zum Start die Gewissheit, das Wetter wird heute nicht  mein Freund. Starker Wind (ich hoffe noch, dass es mein Rückenwind sein wird) und Regen, machen mir jetzt schon das Leben schwer. In Gedanken gehe ich wieder die Strecke durch, 500 Meter Schwimmen, 20 km Rad und 5 km Laufen. Klein, fein, mein. Die 500 Meter will ich in 10:10 Minuten schaffen, die 20 km Rad in 40 Minuten und zum Laufen habe ich mir 26 Minuten Zeit eingeräumt. Das alles allerdings unter der Prämisse, dass ich nicht Erkältet bin. Also wird aus Bestzeit ein schauen was noch geht.

 

Bye Bye Quietscheentchen

 

Die Wechselzone ist eingerichtet, der Wind pustet weiterhin und ich schlendre zur Wettkampfbesprechung, wo ich auch meinen Garmin Rivalen Chris Cross wieder sehe. Er hatte mir seitdem ich ihn in Berlin beim Velothon abgehangen habe angedroht, mich hier zu Überrunden. Irgendwie habe ich im Gefühl, dass seine Chancen heute gut stehen. Auf der Besprechung dann die beruhigenden Worte, dass der Wassersportsee wieder vom Gesundheitsamt zum Schwimmen freigegeben ist, mit dem Hinweis, man solle sich anschließend gut abduschen und seine Schwimmsachen gut auswaschen.. aha.. beruhigend. Montag also alle krank mit Magen-Darm? Na dann mal rein in die Gummipelle und ab ins Wasser. Meine Startgruppe mit dem Pinken Startbändchen ist die erste Startgruppe und besteht ausschließlich aus Frauen. Protzig platziere ich mich in der ersten Reihe, was letztes Jahr gut ging, wird auch heute gut gehen. Auf die Plätze, Fertig, Ausrasten... rein ins Wasser. Es gilt, zwei als Quietscheentchen  getarnte Bojen zu umkreisen und dann wieder zurück zum Start. Ich Kraule los und denke mir noch, läuft bei mir. Ich kann immerhin mal einen Wettkampf durchkraulen. Bis zur ersten Ente kommt es mir ewig vor. Meine Schultern ermüden vom dem Neoprenanzug und ich denke mir, wie jedes mal, Freiwassertraining das sollte ich auch mal in die Realität umsetzen. Unter Wasser auf meiner Uhr sehe ich etwas mit 557 und bin mir sicher, dass es sich um meine Zeit handeln muss, denn als Distanz ist das zu viel. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Nach der ersten Ente bin ich mir sicher, dass ich nicht fit bin. Ich fühle mich, als würde ich riesige Entfernungen zurücklegen. Ich komme mir schnell vor, aber das Ziel ist viel zu weit entfernt. Völlig fertig steige ich nach 28 Minuten aus dem Wasser und bin schon gefrustet! Das mit den 10 Minuten habe ich um das dreifache schon verhauen. Das gibt heute nichts.

 

Mimimimi

 

Auf dem Weg in die Wechselzone rennt meine Schwester neben mir her und spricht mir Mut zu. Ich bin aber schon am Ende und habe Probleme mich bei dem mittlerweile starken Regen zu Motivieren. Auf dem Renner will ich jetzt Gas geben um wenigstens ein wenig Zeit rauszuholen. Nichts geht. Meine Beine sind zu und der Wind gibt mir den Rest. Aber warum sollte es beim Triathlon in diesem Jahr auch anders sein, als im Training? Vor einem Jahr gab es Hitze und Sonne für zwei Sommer. Die Quittung haben wir jetzt. Plötzlich fällt es mir ein. Das waren 750 Meter schwimmen, klar! Die Distanz danach schwimmt ja 1,5 km und muss zwei Runden schwimmen, ich Depp. Und schon sieht es nicht mehr so schlecht aus, mit der Zeit. Dachte ich und trete etwas energischer in die Pedale. Ich werde ständig von den Herren der Startgruppe nach mir überholt und rechne zu jeder Zeit  mit Chris Cross, aber er kommt nicht. Jetzt erst recht, denke ich mir und gebe Gas. Ich schaue auf meine Uhr 1:05:32 und könnte schreien. Noch 5 km Rad und 5 km Laufen. Meine Angestrebte Zielzeit von 1:21:10 kann ich vergessen. Aber mal so richtig vergessen. Kurz vor der Wechselzone schaue ich erneut auf meine Uhr und sehe, dass ich anstelle der geplanten 40 Minuten, 50 Minuten gebraucht habe. Das werde ich mit dem Laufen nicht mehr rausholen können.

 

1340 Meter schwimmen, kann ja mal passieren!

 

Leicht gefrustet, stopfe ich meine plitschnassen Füße in die Laufschuhe, die bereits ebenfalls mit zauberhaften kleinen Pfützen im Innenleben auf mich warten. Plitsch, platsch geht es auf den ersten km... 5:13 Minuten. Hmmm, dann versuche ich wenigstens den Laufsplit gescheit zu Ende zu bringen und überhole mal ein paar. Vielleicht reicht es für eine gute Platzierung in meiner Altersklasse. Irgendwie komisch heute, beim Schwimmen war ich viel allein und jetzt beim Laufen auch. Bin ich wirklich so langsam, dass ich so weit ab von der Masse bin? Auf dem letzten km zum Ziel passiert das unmögliche, kein Regen, Sonne, Rückenwind und Bergab. GEHT DOCH! Im Ziel angekommen mit 01:53:09. So lange habe ich für die mini Distanz noch nie gebraucht. Mittlerweile höre ich schon viele schimpfen, das Schwimmen sie viel zu lang gewesen. Jetzt will ich es wissen. Meine Uhr zeigt 1340 Meter an. Das kann nicht sein! Würde aber mit der Zeit passen. Und dann höre ich es von einem anderem Starter "na bist du auch die lange Strecke geschwommen? Die Quietscheentchen sind weggeweht und die Strecke wurde etwas länger" ERNSTHAFT?!?!?

 

Offene Rechnung

 

Ich bin gespannt auf die offiziellen Zeiten und die Platzierungen. Chris Cross kam nach mir ins Ziel, aber er ist auch 7 Minuten nach mir gestartet, das will ja nichts heißen. Dann kommt er freudestrahlend zu mir "ich bin auf Platz 95 und du auf 97!" und grinst sich einen ab. So Freundchen jetzt mal was zum Nachdenken: Ich bin zwar nach dir im Ziel... ABER: ich bin erkältet und das "schwächere" Geschlecht. Stell dir mal vor, ich wäre Gesund :-P Und letztendlich warst du NUR 22 Sekunden schneller als ich. Das ist nichts. Ich bin in meiner Altersklasse auf Platz 3 von 15 und du viel, viel weiter hinten. Im Großen und ganzen betrachtet bin ich besser. Nenn mich einfach: THE MACHINE! :-D

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Dietmar Clotten (Dienstag, 23 August 2016 07:27)

    Du bist eine Rakete und voll nett. Ich bin froh, dich zu kennen.

  • #2

    Markus Groll (Dienstag, 23 August 2016 08:13)

    Mega super Klasse! !!!

  • #3

    Ingo Parton (Dienstag, 23 August 2016 16:11)

    Wie immer sehr schön geschrieben... ich kam aus dem Schmunzeln nicht mehr raus. Respekt für diese super Leistung

  • #4

    die Dani (Montag, 05 September 2016 09:14)

    Danke Jungs :-)