24h Rennen - Rad am Ring oder das Festival für Sportler

Ein Tag zur Erholung muss reichen. Nach meinem ungewollten Ausflug in die Botanik am Donnerstag auf der feuchten Ausfahrt, habe ich als erstes mein Herzstück Isaac geputzt. Da habe ich dann auch gesehen, dass ich nicht ohne Grund so viel liebe zur Natur, allem voran dem Baum auf der Abfahrt entwickelt hatte. Meine Bremsen waren faktisch weg. Ich brauchte neue Bremsbeläge. Eine gute und eine schlechte Nachricht: die Gute, Ich habe neue Bremsbeläge. Die schlechte: ich habe sie selbst montiert :-D Da wird sicher morgen einer der Herren mehr Ahnung haben und sich Isaac nochmal ansehen. Kiki ist bereits am Freitag zu einer kleinen Pasta-Party bei mir angereist, damit wir frisch am Samstag früh, zum Ring fahren können. Die Nacht war kurz und frisch, sah nur der Kaffee aus. An unserer Parzelle angekommen erwartete ich natürlich einen Sektempfang. Nichts, die Herren schliefen noch. Nachdem wir dann erst mal alle wach gemacht hatten, ging auch schon der Aufbau los. Ich habe mir bei einem Kaffee angesehen, wie die Herren arbeiten, sah gut aus :-D Unsere Race-Zentrale stand und bei einem Kaffee an der Strecke haben wir uns zunächst mal kennen gelernt. Ok, die faxen fingen einfach an. Nach und nach kam auch der Rest von unserem Team aus dem Schlafsack oder dem Auto.

 

Warten auf die erste Runde

 

Es ging in die Besprechung der Reihenfolge. Ich bin nach Kiki als fünfte an der Reihe. Da hab ich ja noch was Zeit, so fünf Stunden. Heike, die Frau von Dietmar brachte frische Brötchen und jede Menge Kuchen und warmes Essen. Das Catering war spitze! Also ein zweites Frühstück und noch mehr Kaffee. Mein Herzschlag glich langsam dem eines Eichhörnchens. Es geht los. Ingo unser erster Mann, geht an den Start. Alex und ich sind ebenfalls mit den Rennern zum Start/Ziel gerollt und haben uns das Ganze aus nächster Nähe betrachtet. Dank GPS, konnten wir jeden in unserem Team auf der Strecke live tracken und wussten immer, wer gerade wo war und wann man sich bereit halten musste, um selbst zu fahren. Ja, Technik kann was feines sein. Ingo war schnell, es folgte der Part von Markus, Philipp und Kiki hielt sich bereit. Heißt für mich: essen, umziehen und einrollen. Dank meines wunderbaren Orientierungssinnes der mir schon zeitig in meinem Leben abhanden gekommen ist, hatte ich nur vor zwei Dingen einen riesen Respekt. Erstens wollte ich nicht die Hohe Acht schieben und zweitens mich auf gar keinen fall verfahren! Michael hat mich zum einfahren mitgenommen. Das Einfahren war für mich schon ein erstes Höhenmeter sammeln. Es wurde ernst. An den Start und warten auf Kiki. Dann eine schnelle Übergabe des Zeitmesstransponders und es geht los. Nachdem alle die Strecke unter einer Stunde geschafft hatten, wusste ich wenigstens wie lange ich im Schnitt unterwegs sein werde. Die Strecke kenne ich gar nicht und habe nach wie vor noch keine Ahnung, worauf ich mich da eingelassen habe. Der Überraschungseffekt, war ganz klar mit angereist.

 

Die erste Runde

 

Ich knalle los und auf dem ersten kleinen Hubbel passiert es. Meine Kette springt vom Kettenblatt beim Schalten. Ich war am Fluchen und fummelte zeitgleich die Kette wieder auf mein Kettenblatt. Zurück auf dem Renner mit geschminkten Händen habe ich doppelt so viel in die Pedale getreten, als vorher. Ich wollte die verlorene Zeit einholen. Mein Puls konstant auf Anschlag, hörte man mich stets schon aus weiter Entfernung durch ein lautes Hecheln. In tiefer Erwartung auf die "Fuchsröhre", wo Petra mir Angst vor der schlimmen Abfahrt machte und auf die Hohe Acht, wo so viele Bergauf schieben. Nach 6 km fingen die Steigungen an. Ruhe bewahren und auf den Schreckensmoment warten, wo mein Gehirn sich meldet und sagt "lass es einfach". Berg auf, Berg auf, Berg auf. Ich fahre immer weiter, sehe eine Verpflegungsstelle mit  PAPPBECHERN! Nette Idee, ob ich mich da an die Theke stelle und in Ruhe austrinke oder doch während der Fahrt das erfrischende Kaltgetränk verköstige weiß ich gerade nicht. Immerhin ein Kopfschütteln bekomme ich zustande bevor es Berg auf geht. Jetzt weiß ich es, das muss die hohe Acht sein. Ja es war hart und es hat auch weh getan aber ich bin nicht abgestiegen und die 17 % von Hennef waren es auch nicht. Ich bin erleichtert. Die schlimme Abfahrt habe ich auch nicht gefunden, die war ebenfalls in Hennef geblieben mit der Erinnerung an die Botanik. Es war großartig. Der Belag auf der Strecke, die Abfahrten und sogar die Höhen. Erste Runde nach 1:05 zu Ende.

 

Isaac in guten Händen

 

Zurück in der Race-Zentrale hat sich unser Team Mechaniker Dietmar an Isaac gemacht und ich muss sagen, mein Herzstück lief noch nie so gut :-D Bremsen war kein Problem und meine Schaltung lief so angenehm sauber. Nachdem ich umgezogen wieder an der Strecke saß, hieß es wieder warten. Nächste Runde war für mich in der Nacht. Und Nacht in meinem Dorf ist etwas anderes als Nacht am Ring. Meine Zeit der ersten Runde würde ich definitiv nicht schlagen! Meine Sichtweite war so eingeschränkt, trotz meinem Licht, dem geliehenen Licht von Philipp und seiner Brille. Ich wusste am Anfang der Kurve nicht, wo sie endete, weil ich es einfach nicht sehen konnte. Ich wartete auf jeder Abfahrt, dass "Sehende" von hinten angeknallt kamen, damit sie mir die Kurve ausleuchten konnten. Auf der hohen Acht sah man zwar nicht, wie steil es Bergauf ging, aber ich sah die ganzen Roten Lichter, wie sie fast am Berg standen. Ich fand es bei Tageslicht nicht so steil. Dieses blind sein ohne Brille hat halt einfach mal Vorteile, am Tag jedenfalls :-D Nach 1:11 war ich zurück. Meine Zeit für mich eine Katastrophe. Aber ich habe noch eine Runde. Bei Tageslicht und ohne, dass ich meine Kette verliere.

 

Schlafen am Ring

 

Nach der Runde musste ich mal ein wenig Augenpflege betreiben. Nach müde kommt ja bekanntlich Blöd und ich erzähle unter normalen Bedingungen schon unheimlich viel Quatsch, was hier in einen Rekord ausartete. Zum glück war ich in guter Gesellschaft :-D

Ich habe es immerhin geschafft in dem Lager, wo Buffet, Werkstatt, Kleiderschrank und Schlafzimmer in einem war (im Prinzip wie bei mir zu Hause) drei Stunden zu schlafen. Als Phillip aufgestanden war, weil er sich bereit halten musste, war für mich klar, es geht gleich wieder los. Ich muss Frühstücken auch wenn der Magen streikt, mich wieder umziehen, einrollen und bereit halten. Meine letzte Runde. Meine Bestzeit sollte es werden, trotz schwerer Beine. Nach 1:07 die Erkenntnis, dass ich trotz dem Empfingen "hui bin ich schnell" nicht schnell genug war. Jetzt kenne ich mein Ziel für nächstes Jahr: unter einer Stunde bleiben. Als ich zurück bin, ist schon Aufbruchsstimmung. Wir packen zusammen, während die letzten auf die Strecke gehen und ich ziehe mich wieder einmal um, das sechste mal in 24 h. Wie bei einer Modenschau für Sportbekleidung. Nur, dass mittlerweile Kikis und meine Umkleide, Markus Schlafzimmer, sein Zelt abgebaut ist. 

 

Die letzten Meter

 

Die letzte Runde fahren Ingo und Dietmar gemeinsam. Ich bin nicht mehr in der Lage noch einmal die Hohe Acht hochzukriechen. Der Rest vom Team macht es sich leichter. Wir fahren zum Ziel und warten auf die anderen Beiden, um als Team ins Ziel zu rollen. Gesagt, getan. Im Ziel gibt es für alle die gleiche Halskette und schon ist es vorbei. Ein bisschen Wehmut kommt auf. Es waren richtig tolle 24 h mit einem wirklich tollen Team, das sich kaum kannte und am Ende so super harmonisiert hat. Eins steht fest: im nächsten Jahr wieder im gleichen Team. Wir werden größer, schneller und besser. Das einzige was gleich blieben wird, ist der Spaß!

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Uwe Lörgen (Dienstag, 02 August 2016 09:56)

    Hallo Daniela ,
    Es ist ein super Bericht , lässt sich super lesen

  • #2

    Dietmar Clotten (Dienstag, 02 August 2016 13:05)

    Wow, ich kriege Gänsehaut.
    Super das ich dabei war.
    Dani du bist super sympathisch. Bleib so.

  • #3

    Michael (Dienstag, 02 August 2016 18:01)

    Hierfür bekommst nächstes Jahr auch einen sektempfang;-)

  • #4

    die Dani (Donnerstag, 04 August 2016 08:05)

    Dankeschön :-) und auf den Sektempfang komme ich gerne zurück. In dem LKW für nächstes Jahr lässt sich sicher eine tolle Theke bauen :-D