Lyon, der kleine Unterschied

Ich habe es geschafft, ich bin angekommen. Zunächst  musste ich allerdings noch eine Weile im Flieger auf dem Rollfeld umher stehen und warten. Man hatte uns schlichtweg vergessen... Ich habe es ins Hotel geschafft und bin pünktlich da, um ins Bett zu gehen. Am Morgen begrüße ich meine Kollegen beim Frühstück mit denen ich die Woche hier verbringen werde. Meine deutsche Kollegin berichtet mir von einer tollen Laufstrecke und einem Platz an der Rhône, wo man Krafttraining machen kann. Diesen will sie mir nach dem Unterricht zeigen. Wir haben täglich drei Stunden um uns frei zu bewegen, die werden also voll ausgenutzt. Gesagt, getan... wir gehen die Rhône entlang. Eine wirklich schöne Strecke zum laufen, da kann ich die Woche morgens vor dem Unterricht eine Runde drehen. Die Hoffnung auf ein Schwimmbad hatte ich fast aufgegeben, als ich dieses Prachtexemplar bestaune. Herrliches Nass mit 27 Grad und Sonnenschein. Ich beschließe sofort am Mittwoch Lyon bei Wasser zu bezwingen.

Laufen in Lyon

 

Aber davor kommt der Dienstag und ich will vor dem Pflichtprogramm noch eine Runde drehen. Ich laufe aus dem Hotel raus, quer durch den Bahnhof. Es fallen mir sofort drei Männer von der Armee mit Maschinengewehren auf. Komischerweise fühle ich mich bei dem Anblick unsicher, aber nicht sicher! Weiter geht es an den Fluss. Ich habe noch starken Muskelkater vom Brückenlauf am Sonntag. Meine Beine wollen nicht so richtig und ich belasse es erst einmal bei den 8 km, für den Anfang :-)

Die Woche ist noch lang. Aber eines ist hier anders. Der Franzose grüßt beim Laufen nicht, es wird stur weiter gelaufen und ernst dabei geschaut, denn Sport ist schließlich keine Spaßveranstaltung:-D

 

Schwimmen in Lyon

 

Das Wetter ist traumhaft und endlich haben wir frei. Ich packe meine Schwimmsachen in den Rucksack und beschließe bis zum Schwimmbad zu joggen, ist zeitlich der beste Weg um abends pünktlich zurück zu sein. Im Schwimmbad angekommen, stelle ich mal wieder erneut fest, dass man sprachlich eher nicht bilingual ist und hier definitiv nur Französisch gesprochen wird. Ich schaffe es, meinen Eintritt zu entrichten und die Umkleidekabine zu finden. Hier schon die ersten Unterschiede, ich muss an der Umkleide anstehen und warten... Fertig umgezogen, meine drei Sachen im Spint verstaut, mache ich mich durch die Gemeinschaftsdusche auf den Weg nach draußen zum Wasser. Ein riesen 50 Meter Becken, randvoll mit Menschenmassen. So dachte ich mir das am Montag nicht, es sah doch so reizend leer aus. Ich verstehe das System noch nicht ganz. Vor jeder Bahn ist ein großer Aufsteller, der mir wahrscheinlich sagt, was in der Bahn vor sich geht. Die letzte Bahn scheint mir für Vereine zu sein. Bevor ich mir ein Schwimmbadverweis auf Französisch abhole, beschließe ich jemanden zu fragen und hoffe, dass mich hier jemand versteht. Ein junger Mann steht verloren am Rand herum. Mein Opfer, perfekt. Ich gehe zielgerichtet auf ihn zu und frage ihn zunächst ob er englisch spricht. Als er nickt, lege ich schon los mit meinen Fragen.

 

Krieg im Wasser

 

Ich erfahre also, dass die letzte Bahn für Vereine ist, dann zwei Bahnen für das schwimmen mit Hilfen (Paddels, Brett, Pullboy etc.) eine Bahn für Kraulen und eine für Brustschwimmen und die letzte für das planschen ist. Was hier der Planschbereich ist, ist zu Hause der Schwimmbereich. Also kann ich mir meinen Trainingsplan mit dem Schwimmstiländern nach einer Bahn gleich mal an die Badekappe stecken. Ich schaue mir das Becken an, Brust erscheint mir als zu voll, die Bahn zum Kraulen ebenfalls, also beginne ich mit den Paddels und reihe mich in das volle Becken ein. Ich merke schon beim losschwimmen, das hier im Wasser ist Krieg. So muss die Langdistanz sein, nur dass hier keine Entzerrung des Feldes stattfindet. Ich bekomme abwechselnd, flossen ins Gesicht oder Tritte in die Rippen. Was ein Spaß :-/ Triathlontraining mit realer Startsimulation auf 2000 Metern. Nach 1000 Metern entscheide ich, mir eine "ruhigere" Bahn zu suchen und wechsel zum Brustschwimmen. Kontrastprogramm pur. Ich hätte mich auch ins Wasser legen und einfach im Kreis durch die Bewegung der anderen mittreiben lassen können. Mache ich aber nicht. Ich schwimme in meine Vorderfrau hinein, drängle und schwimme in der Mitte um dann wieder vom Gegenverkehr und den Menschen die ich Überhole, Schläge und Tritte zu kassieren. Das ganze halte ich genau eine Bahn hin und eine zurück aus. Genervt gehe ich in die Bahn zum Kraulen. Auch hier das gleiche Spiel, ich überhole und bekomme es von allen Seiten ab. Heute Abend beim Essen werde ich aussehen, als hätte ich in der Freizeit mit dem Fight Club gespielt... Also wieder Paddels und Flossen im Gesicht. Vollkommen entnervt klettre ich aus dem Wasser. Da man hier im Badeanzug duscht, bin ich froh, dass ich zurück ohnehin joggen wollte um in Ruhe im Hotel zu duschen. Und wieder um eine Erfahrung und ein paar Prellungen reicher. Da lobe ich mir die heiligen Hallen in Bonn, wo ich mich lediglich mit drei Menschen auf einer 25 Meter Bahn duellieren muss.

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